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Robert De Niro, Marlon Brando und Edward Norton in dem von Frank Oz inszenierten Thriller "The Score".
MICHAEL STADLER
Rififi - das klassische Genre des Ganovenfilms gibt wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Ganz überraschend kommt Hollywoods Rückbesinnung auf die Inszenierung der "guten, alten Handwerkskunst" des Verbrechens nicht. Psychopathischer als der abartige Triebtäter in Tarsem Singhs Thriller "The Cell" (2000) können Psychopathen eigentlich nicht mehr agieren und auch die Mega-Bösewichte, die sich dank der Special-Effects-Programme aus dem Computer über alle Gesetze der Schwerkraft sowie der Logik hinwegsetzen, scheinen an ihren Grenzen angelangt zu sein.
Zeit für einen Einbruch nach altherkömmlichem Schema - natürlich muss auch dabei das Unmögliche möglich gemacht werden. Dafür sollte der von Robert De Niro gespielte Nick gerade der richtige Mann sein. Nach einer mehr als 25-jährigen, überaus erfolgreich verlaufenen Einbrecherkarriere will er sich endgültig zur Ruhe setzen. Offenbar misstraut er dem staatlichen Pensionssystem, denn er plant den ganz großen Coup: Aus dem Hochsicherheitstrakt der Zollbehörde von Montreal soll ein französisches Königszepter aus dem 17. Jahrhundert gestohlen werden. Der Wert des Objekts der verbrecherischen Begierde wird auf 32 Millionen Dollar geschätzt. Den Großteil davon will zwar der ehrenwerte Hehler, verkörpert von keinem Geringeren als Marlon Brando, kassieren, doch vier, fünf Millionen Dollar sollten reichen, Nick über den ersten Pensionsschock hinwegzuhelfen.
Die Vorzeichen stehen allerdings nicht gut. Nick, Perfektionist und Einbrecher mit Prinzipien, sieht sich gezwungen, gleich zwei seiner festen Grundregeln zu brechen: Erstens, nie in der Heimatstadt ein Ding zu drehen, und zweitens, stets allein zu arbeiten. Für den Zepter-Raub braucht er einen Komplizen, auch wenn er von Jackie (Edward Norton), einem aufsteigenden Stern am Ganovenhimmel, nicht viel hält.
Das Aufeinandertreffen von drei prominenten Repräsentanten dreier Schauspielergenerationen trägt wesentlich zum Reiz von "The Score" bei. Marlon Brando hat das Schauspiel längst aufgegeben. Er beschränkt sich darauf, vor der Kamera einfach nur Marlon Brando zu sein. Das genügt vollends. In diese Richtung scheint sich allmählich auch Robert De Niro zu bewegen. In der Rolle des Tresorknackers Nick ist er in erster Linie Robert De Niro. Dafür darf Edward Norton als Komplize schauspielerisch drastische Akzente setzen. Er gibt sich theatralisch als Spastiker aus, um im Zollgebäude einen Job als Reinigungskraft zu ergattern.
Frank Oz inszenierte die Geschichte solide und setzte dabei auf eine nostalgische Filmsprache à la "Rififi" (1955) von Jules Dassins. Ob aber der Komödienregisseur der richtige Mann für den Stoff war? Der Spannung, die er auf die Leinwand bringt, fehlt über weite Teile hinweg das Knistern, zumal die Handlung und ihre Wendungen vorhersehbar bleiben. Das Thriller-Terrain ist eben auch für erfahrene Filmemacher ein ziemlich riskantes. Dennoch bleibt "The Score" ein sehenswerter Streifen mit beachtlichen Qualitäten.
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