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"The Others" - Nicole Kidman in einem Meisterwerk der Suspense von Alejandro Amenabar.
REINHARD KRIECHBAUM
Schießen Sie nicht auf den Pianisten - es macht keinen Sinn. Schon gar nicht, wenn der Musikmacher ein Geist und somit Herr im Haus ist. Aber das Geklimpere ist ohnedies nur Randepisode. Es ächzt und stöhnt und knirscht ja andauernd im großzügigen Landhaus. Die Nebelschwaden lassen schon beim Näherkommen nichts Gutes erwarten.
Drinnen gehen neben Gespenstern eigentümliche Leute um: Ein Diener-Trio bietet seine Dienste an, noch bevor das entsprechende Zeitungsinserat erschienen ist. Nicole Kidman - so intensivblass, dass sie für dieses Ambiente wie erschaffen wirkt - erzieht und behütet mit fanatischer Bigotterie zwei blasse Kinder. Sie leiden an Lichtallergie und deshalb wird Tageslicht (sogar das Nebelgrau) sorgsam ausgesperrt aus dem Geisterhaus. Die Kinder büffeln Bibelstellen und zweifeln im Übrigen nachhaltig an den religiösen Erkenntnissen der Mutter. Die Gegenwart im Spukschloss ist aufregend genug. Wenn die Vorhänge aufgezogen werden, um bei Licht nach den "anderen" im Haus zu suchen, wird's erst so richtig gespenstisch.
Fünfzehn Schlüssel, fünfzig Türen und eine jede muss versperrt werden, bevor die jeweils nächste geöffnet wird - das schafft Geistern viel Vorsprung. Selbst Altmeister Hitchcock hätte von dem erst 29-jährigen Neo-Meister der Suspense, dem spanischen Regisseur Alejandro Amenabar, lernen können. Hundert Minuten Gänsehaut und Zittern um die für diese Rolle mit einer Golden-Globe-Nominierung bedachte Nicole Kidman sind garantiert. Sie spielt mit Furore die Panikattacken, den Frust einer Kriegswitwe. Oder ist sie eine aufgrund anderer Erlebnisse einem religiösen Wahn verfallen? Jedenfalls ist sie durch und durch unergründlich.
Worauf die Story hinausläuft, will sich nicht und nicht abzeichnen. Eben dies macht die Qualität der Geschichte aus. Spinnt die Frau oder ist sie Opfer? Was führen die Dienstboten im Schilde? Kann man dem Ehemann trauen, der völlig unerwartet aus dem Nebel auftaucht? Offensichtlich ist er seelisch blessiert aus dem Krieg gekommen und er verschwindet auch bald wieder. Jede Fährte stellt sich zuletzt als falsch heraus.
"The Others" entspricht keinen gängigen Schablonen (Vorbilder aus anderen Filmen darf man nicht nennen, sonst nimmt man dem Publikum die Überraschung). Ein solches Nebelambiente und Innenräume hinter dicken Vorhängen im Petroleumlicht kamen dem virtuosen Kameramann Javier Aguirresarobe wie gerufen. Regisseur Alejandro Amenabar machte mit "Virtual Nightmare" 1998 die damals noch unbekannten Penelope Cruz im Ausland bekannt. Seine okkultverqueren Storys denkt er sich selbst aus und er steuert auch selbst die Filmmusik bei.
Je nach Temperament wird der Zuschauer schwanken, ob er seine Sympathien der exaltierten, mystikgläubigen Nicole Kidman schenkt oder doch eher der handfestmütterlichen Fionnula Flanagan, die als Nurse ein wesentlich unverkrampfteres Verhältnis zu den Hausgeistern pflegt. Warum, wird sich erst ganz am Schluss zeigen. Eric Sykes ist der Gärtner, nicht der Mörder, so viel darf man ausplaudern. Zähne zusammenbeißen (sonst stört das Geklapper die Sitznachbarn) und durchhalten! Es lohnt sich.
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