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Guy Pearce und Carrie-Anne Moss in "Memento" von Christopher Nolan.
GÜNTER VERDIN
Die Kunst ist bekanntlich nicht die Antwort, sondern das Rätsel. Kein anderer Film hat das in jüngster Zeit so stark belegt wie Christopher Nolans "Memento", ein Psycho-Thriller, der sein Publikum sukzessive sogartig in die tragische Situation des Helden hineinzieht.
Leonard und seine Frau sind Opfer eines brutalen Überfalls geworden. Leonard möchte den Tod seiner Frau rächen, aber er leidet seit dem Verbrechen an Gedächtnisverlust: er kann sich Dinge nur kurzfristig merken,und so organisiert er sein Le-ben und die Jagd nach dem Mörder mit unzähligen Körper-Tattoos als "Merk-Zettel" und Polaroid-Fotos, die er von Menschen, Orten und Gegenständen macht und sie dementsprechend beschriftet.
Aus einem Puzzle von Erinnerungs-Versatz-Stücken, die chronologisch rückwärts gereiht, wiederholt und jeweils um ein Detail ergänzt werden, gestaltet Regisseur Christopher Nolan nach dem literarisch und philosophisch anspruchsvollen Drehbuch seines Bruders Jonathan einen Krimi, der sich in der Gedankenwelt Leonards abspielt.
Bald wird der junge Mann zum Spielball der in Drogengeschichten verwickelten Natalie (schön und mysteriös: Carrie-Anne Moss) und eines Mannes, der sich als sein Freund ausgibt, namens Teddy (Joe Pantoliano mit rätselhafter Liebenswürdigkeit), die er von einem Mal zum anderen nur über seine Fotos und Notizen identifizieren kann.
Eine Parallelhandlung, die chronologisch linear verläuft und in Schwarz-Weiß abläuft, scheint eine Spiegelung des wahren Tatvorgangs zu sein. Leonard betreute als Versicherungsmakler den Fall eines Mannes, der ebenfalls unter dem Ausfall des Kurzzeitgedächtnisses zu leiden hatte. In seinem Bericht hatte Leonard dem Mann attestiert, dass er vermutlich simulierte. Ein verhängnisvoller Fehler, der schließlich zum Tod der Ehefrau des Mannes führte.
"Memento" ist ein Film, der unser Gedächtnis durch das Spiel mit den Zeitebenen permanent auf die Probe stellt und schließlich auch die Grenzen unseres Wahrnehmungs-Vermögens aufzeigt. Wir bleiben ebenso ratlos zurück wie der großartige Guy Pearce als Leonard, dessen letzte Worte im Film sind: "Wo war ich stehengeblieben?"
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