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Anthony Hopkins wieder in der Rolle des intelligenten Serienkillers "Hannibal".
MICHAEL STADLER
Ein Kannibale namens Hannibal - er schätzt die schönen Künste, ein feinsinniger, älterer Herr. Man könnte ihn als kultiviert bezeichnen, wäre da nicht seine kulinarische Vorliebe für Menschenfleisch. Um den Klang eines Orchesters zu verbessern, verspeist er schon einmal den untalentierten Flötisten. Kunst erfordert eben Opfer. Die Rede ist von Dr. Hannibal Lecter, dem psychopathischen Killer aus Jonathan Demmes Thriller "Das Schweigen der Lämmer". Zehn Jahre, nachdem er aus seiner Hochsicherheitszelle entkommen ist, feiert er auf der Kinoleinwand in Ridley Scotts "Hannibal" ein spektakuläres Comeback. Die Geschichte basiert neuerlich auf einem Roman von Thomas Harris, der Lecter nach Florenz verpflanzt. In der Metropole des Renaissancegeistes gibt sich der psychopathische Psychologe als Kunsthistoriker aus, während sich seine einstige FBI-Gegenspielerin jenseits des "großen Teichs" mit Drogenbanden herumschlagen muss. Vergessen haben die beiden einander auch nach zehn Jahren noch nicht. Immerhin zählt Lecter zu den zehn meistgesuchten Schwerverbrechern. Er bekommt es allerdings noch mit einem zweiten erbitterten Gegner zu tun. Da wird mit Mason Verger (Gary Oldman) ein Opfer aus dem Hut gezaubert, das als einziges einen Mordanschlag von Dr. Lecter überlebte. Der völlig entstellte Verger hat seinem Peiniger nicht verziehen, dass ihm dieser einst die Gesichtshaut samt Nase und Mund abzog, um es an seinen Hund zu verfüttern. Ja, es bedarf seitens des Publikums schon robusterer Magennerven, um "Hannibal" zu ertragen.
"Das Schweigen der Lämmer" fesselte, weil das unvorstellbar Grauenhafte kaum gezeigt wurde. Der Horror war zwar stets präsent, aber nicht im Bild. Diese Qualität fehlt Scotts Fortsetzung. Der Regisseur setzt ganz bewusst auf schockierende Effekte. Um in der Flut an Gewaltdarstellungen, wie sie im gegenwärtigen US-Kino gang und gäbe sind, nicht unterzugehen, werden die Grenzen des Zumutbaren überschritten. Beispielsweise in der Schlusssequenz, als Lecter mit seinem Gegenüber ein Dinner genießt. Das mit Drogen vollgepumpte Opfer merkt gar nicht, dass ihm der kannibalische Killer die Schä-deldecke entfernt hat. Mit offenem Kopf sitzt er da und verspeist mit lobenden Worten für den exzellenten Geschmack ... Ridley Scott versucht zwar, den Horror mit Humor zu relativieren. Dies funktioniert allerdings nur bedingt, wenngleich Anthony Hopkins den mörderischen "Gourmet" mit einem Schuss Ironie gibt. Im Gegensatz zu ihm konnte sich Jodie Foster, Hopkins' Partnerin in "The Silence of the Lambs", nicht zu einer Fortsetzung entschließen. Die Rolle als FBI-Agentin Sterling übernahm nunmehr Julianne Moore. An ihr liegt es jedoch nicht, dass das "spannende Knistern" zwischen den beiden Protagonisten, das Demmes Horrorthriller auszeichnete, keine Neuauflage erfährt.
Das "Hannibal"-Drehbuch setzt nicht auf Psychologie, sondern auf Gewalt. Unter diesen Umständen hätten die Lämmer ruhig weiter schweigen können.
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