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Tucholskis "Gripsholm".
MICHAEL STADLER
"Man denkt oft, die Liebe sei stärker als die Zeit. Aber immer ist die Zeit stärker als die Liebe." - Diese beiden Sätze aus Kurt Tucholskys Roman "Schloss Gripsholm" erhob Xavier Koller zum zentralen Motiv seiner filmischen Annäherung an den Stoff. Liebe beschränkt sich dabei nicht nur auf den zwischenmenschlichen Bereich. Es geht auch um die Liebe des Schriftstellers zu Deutschland. Dieser ahnt bereits, dass die Zeit stärker sein wird. Daran lässt der melancholisch in die Ferne gerichtete Blick von Hauptdarsteller Ulrich Noethen keinen Zweifel. Koller bringt nicht nur Tucholskys "leichte Sommergeschichte" auf die Leinwand, sondern lässt die Handlung gleichzeitig mit Fakten aus der Biografie des Schriftstellers verschmelzen. Allerdings gelingt es dem Regisseur zumeist nicht, romantische Fiktion und düstere Realität als kompatible Elemente erscheinen zu lassen. Der innere Konflikt des Autors, der daran verzweifelt, dass er mit seinem literarischen Widerstand gegen die politischen Entwicklungen im Deutschland der 30er-Jahre machtlos ist, wirkt stark weichgezeichnet.
Die bewegenden Szenen der Verfilmung gehen in erster Linie auf das Konto der beiden Hauptdarsteller. Ulrich Noethen verkörpert Tucholsky überzeugend als einen desillusionierten Mahner, der zweifelnd den Weg in die innere Emigration antritt. Als Kontrapunkt dazu präsentiert sich Heike Makatsch in der Rolle einer lebensfrohen, sinnlichen Geliebten. Als "Muse des Dichters" sieht sie sich allerdings machtlos. Zu schwer lasten die Schatten der Zukunft auf der Romanze. Dem kurzen, warmen Sommer auf Schloss Gripsholm folgt ein langer, kalter Winter. Dieser wird Jahre dauern.
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