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Das britische Kino hält immer wieder überraschende Komödien bereit. "Saving Grace" von Nigel Cole ist so ein Film, den man gesehen haben sollte.
ANTON THUSWALDNER
Alles ist fürchterlich. Der Mann ist gestorben, er hinterlässt nur Schulden, das Leben der Frau befindet sich auf einer schiefen Ebene. Es geht gnadenlos bergab mit ihr, immer tiefer gerät sie in die Misere, es gibt keinen Ausweg. Alles ist komisch. Die Frau gibt nicht klein bei, verkriecht sich nicht resignierend im Schmollwinkel, sondern sie beginnt zu kämpfen. Das macht sie nicht offen und laut, sie greift ihre Gegner nicht direkt an, sie ist Strategin und Taktiererin. Alles ist unmoralisch. Um ihre Haut zu retten, züchtet die Frau gemeinsam mit ihrem Gärtner Hanf. Sie macht sich strafbar, weil sie mit Marihuana das große Geld zu machen bestrebt ist. Ihr geht es schlecht, sie wurde verraten und verkauft, deshalb schlägt sie der Gesellschaft, die Gesetze macht, deren Opfer sie geworden ist, kurzerhand ein Schnippchen.
Die Geschichte lässt sich gut an. Sie steht in der wunderbar rebellischen Tradition des britischen Kinos, die die kleinen Leute zu Rebellen gegen eine ungerechte Wirklichkeit werden lässt. Der Kampf läuft nicht nach verbiesterten Ritualen und ideologischen Schablonen ab, sondern es wird das hohe Lied des Zusammenhaltens gesungen. Gefordert ist die Phantasie, die als die eigentliche Macht gefeiert wird, den sturen und engstirnigen Vertretern des Establishments etwas entgegenzusetzen. Lange wirkt dieser Film, der von den großartigen Schauspielleistungen lebt, überzeugend. Er bietet vergnügliche Unterhaltung mit Tiefgang, das Ernste wird leicht genommen und seiner Erdenschwere enthoben - eine Kampfansage an die Ungerechtigkeit in der Welt. Aber der Film will an ein Ende kommen. Das fällt ihm schwer, weil er sich nicht kümmert um Glaubwürdigkeit, sondern um die Moral. Und das ruiniert den ganzen Film.
Irgendwann muss Regisseur Nigel Cole ein schlechtes Gefühl beschlichen haben, insgeheim waren die Drehbuchautoren Craig Ferguson und Mark Crowdy über ihre eigene Kühnheit überrascht, Marihuana hoffähig zu machen, deshalb wird aus dem großen Drogendal nichts, aber aus der gesetzlosen Hanfgärtnerin eine bedeutende Schriftstellerin. Dafür gibt es keine Erklärung, das wird einfach so behauptet. Das leuchtet nicht ein, auch wenn eine großartige Brenda Blethyn in der zentralen Rolle der Grace Trevethan alles daransetzt, eine gute Figur in einem undurchsichtigen Spiel zu machen.
Das hätte, wenn nicht ein großer, doch ein ziemlich starker Film werden können. Es kündigte sich schon beizeiten an, dass geläufige Klischees die Originalität in die Schranken weisen würden. Sobald das Drogenmilieu betreten wird, sind nichts als vorgestanzte Bilder angesagt.
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