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Ron Howards Film über Leben und Leiden des schizophrenen Nobelpreisträgers John Nash mit Russell Crowe.
Mathematik erobert die Kinoleinwände. Der Unterhaltungswert von Zahlen, abstrakten Strukturen und logischen Schlussfolgerungen scheint im Film offenbar jahrzehntelang grob unterschätzt worden zu sein. Dafür werden derzeit gleich zwei Streifen mit Mathematikern in den Hauptrollen gezeigt: "Enigma", die Geschichte der Entschlüsselung der Nazi-Funkcodes, und "A Beautiful Mind". In Letzterem wird das Publikum schon in der Einstiegssequenz über den gesellschaftspolitischen Stellenwert dieser Wissenschaft aufgeklärt. Mathematiker hätten den Krieg gewonnen, indem sie japanische Verschlüsselungscodes knackten und die Atombombe bauten; sie seien die "Speerspitze von Demokratie, Freiheit und Entdeckung", erklärt der Rektor der Princetown-Universität in seiner Begrüßungsrede vor den neuen Studenten.
Unter ihnen befindet sich ein gewisser John Nash, der sich rasch als von Zahlen und Formeln besessener Sonderling entpuppt. Seinem Lebenstraum, eine große, wissenschaftliche Karriere zu machen, unterwirft Nash alles. Zwanghaft jagt er jener einzigartigen Idee nach, die ihn auf einen Schlag berühmt machen könnte. Er versucht, die um Brotkrumen kämpfenden Tiere eines Taubenschwarms oder die Wege einer Frau, die den Räuber ihrer Handtasche verfolgt, in mathematische Gesetze zu kleiden, und scheitert.
Als Nash in einer Kneipe seine Kommilitonen beim Buhlen um die Gunst einer attraktiven Blondine beobachtet, geht ihm das entscheidende Licht auf. Er erkennt, dass sich die Flirtenden durch "nichtkooperatives Spiel" gegenseitig blockieren und dadurch keiner im Bett der Dame landen wird. Nash berechnet Gegenstrategien, woraus jene "Spiel- und Entscheidungstheorie" über mathematische Prinzipien des ökonomischen Wettbewerbs resultiert, für die der Mathematiker 1994 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.
Ron Howard orientierte sich in "A Beautiful Mind" an der wahrlich filmreifen Biografie des amerikanischen Wissenschafters John F. Nash. Der Elite-Mathematiker litt an Schizophrenie sowie an Verfolgungswahn. Zu Beginn seiner Krankheit glaubte er fest an eine politische Verschwörung gegen seine Person und wollte sogar nach Europa fliehen. Wiederholt landete Nash in psychiatrischen Kliniken. Ron Howard machte aus dem Stoff ein rührseliges Märchen mit der Botschaft, dass die Kraft der Liebe ein Genie aus seinem Wahnsinn befreien könne. Von der historischen Wahrheit entfernt sich der Filmemacher damit weit.
Ein Kunstgriff gelingt Howard jedoch sehr gut. Indem er die Wahnvorstellungen seines Protagonisten als ganze normale Szenen in die Handlung einbettet, führt er die Betrachter des Films über eine Stunde lang an der Nase herum. Erst im Nachhinein wird aufgeklärt, was Wahn und was Wirklichkeit war.
Für den emotionalen Kitsch, den Howard ziemlich dick aufträgt, entschädigen die schauspielerischen Leistungen von Russell Crowe und Jennifer Connelly. Sie spielt souverän Nashs Ehefrau Alicia, die mit ihrem schizophrenen Mann durch dick und dünn geht. Crowe verkörpert schwer oscarverdächtig den Wissenschafter, der zum Opfer seiner Zahlengrammatik wird. In einigen Momenten erreicht Crowe dabei sogar die Intensität von Dustin Hoffmans autistischem "Rain Man", ebenfalls einem Gefangenen in der Welt der Zahlen.
MICHAEL STADLER
© SN.
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