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Gus van Sants „Forrester – Gefunden!” mit Sean Connery, F. Murray Abraham und Rob Brown.
WALTRAUT MÜLLER
Die Eingangssequenzen von „Forrester – Gefunden!” könnten auch einem Spike-Lee-Film entstammen: Ein Haufen schwarzer Halbwüchsiger, die zwischen den grauen Wohnblocks der New Yorker Bronx Basketball spielen. Und weil dieser Sport ihre einzige Ausdrucksmöglichkeit ist, können diese Jungs in ein Dribbling alles legen: Wut, Power, Liebe, Leidenschaft. Auch der 16-jährige Jamal Wallace (Rob Brown) spricht die Basketballsprache, und keiner erwartet mehr von ihm. Heimlich verschlingt er freilich jedes Buch, das er in die Finger bekommt, und noch heimlicher schreibt er eigene Texte in zerknitterte Schulhefte.
Nach „Good Will Hunting” erzählt Regisseur Gus van Sant zum zweiten Mal die Geschichte vom verkannten Genie, das in ärmlichen Verhältnissen keine rechten Entfaltungsmöglichkeiten hat. Es bedarf auch hier eines Förderers: Was in „Good Will Hunting” Robin Williams in der Rolle des Psychologen leistete, ist in „Forrester – Gefunden!” der Job eines alternden Schriftstellers, so schrullig wie liebenswert gespielt von Sean Connery.
Der weißhaarige ältere Herr im Gammellook gilt als Kinderschreck der Straße. Sogar die Basketball jungs haben Angst vor ihm, wenn sie ihn am Fenster seiner Wohnung stehen sehen. Aus dem Haus geht er seit Jahren nicht. Und ausgerechnet diesem komischen Kauz fallen Jamals Hefte in die Hände. Er liest, ist beeindruckt, notiert Korrekturvorschläge – und weigert sich zunächst, weitere Nachhilfe zu geben. Zu sehr fürchtet er, etwas von sich preisgeben zu müssen.
Drei Stunden braucht Gus van Sant, um die Geschichte der langsam entstehenden Freundschaft zwischen Mentor und Schüler zu erzählen. Er nimmt sich alle Zeit der Welt, um diese beiden zu beobachten – und man sieht stundenlang gern dabei zu, wie Sean Connery übers Schreiben doziert (erst schreiben, dann denken) und übers Sockentragen (verkehrt herum ist besser für die Zehen . . .).
Äußere Spannungsmomente sind in diesem Film rar. Da sorgt höchstens mal der Versuch eines missgünstigen Englischlehrers, den Aufsatzkünstler Jamal als Hochstapler zu entlarven, für Aufregung. Ansonsten lebt „Forrester – Gefunden!” ausschließlich von seinem sympathischen Hauptdarsteller-Duo: dem Profi Sean Connery und dem Laien Rob Brown. Eine äußerst fruchtbare Lehrer-Schüler- Beziehung.
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