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Guten Feen begegnet man heutzutage nur noch im Märchen, oder aber man sitzt gerade in einem märchenhaften Film, genauer gesagt in "Die fabelhafte Welt der Ame`lie".
HANNA SIX
Jean-Pierre Jeunets neuestes Werk bezauberte in Frankreich ein Millionenpublikum.
Amèlie, Kellnerin in einem Pariser Cafè, ist eine genaue Beobachterin ihrer Umgebung. Sie liebt die scheinbar unbedeutenden Details und weiß kleine Genüsse zu schätzen. Als sie hinter einer lockeren Badezimmerkachel die alte "Schatzkiste" eines keinen Jungen findet, beschließt sie, den Besitzer ausfindig zu machen, um ihm seine Kindheitsträume und Erinnerungen zurück zu geben. Der ist schließlich so gerührt, dass Ame`lie gleich weitermacht und noch ein paar Träume ihrer Nachbarn und Stammkunden aus dem Cafè wahr werden lässt.
Naiv, aber zu allem entschlossen
Mit einer umwerfenden Kombination aus Naivität und Entschlossenheit geht sie ans Werk, schiebt der einsamen Concierge den lange ersehnten Liebesbrief zu, verkuppelt einen krankhaft eifersüchtigen Cafèbesucher mit der schwer an Hypochondrie leidenden Besitzerin des Tabakstandes oder schickt einen Gartenzwerg auf Weltreise, um ihren Vater aus seiner Einsamkeit herauszuholen.
Sie wird die heimliche gute Fee der Nachbarschaft und erinnert damit an Juliette Binoche in Lasse Hallströms "Chocolat". Doch Amè-lies Welt hat bei weitem mehr Pfiff.
Surreale Szenen werden der Handlung immer wieder beigefügt. Wenn Amèlie zum Beispiel darüber rätselt, wie viele Pariser Paare wohl genau in diesem Augenblick einen Orgasmus haben, dann weiß der Erzähler die Antwort - 15 - und es gibt sie im Schnelldurchlauf auch gleich zu sehen und zu hören.
Regisseur Jean-Pierre Jeunet wurde mit seinem Film "Delicatessen" bekannt, drehte zuletzt "Alien - die Wiedergeburt" und ist für "Die fabelhafte Welt der Amèlie" nach Frankreich zurückgekehrt.
Bei seinem neuen Film benutzte er Computeranimation und digitale Nachbearbeitung, sonst eher für Actionspektakel in Verwendung, um ein nostalgischsurreales Paris aufleben zu lassen.
Fantasiebegabter Blick von Amelie
Die Autos wurden aus den Straßen entfernt, Graffitis von den Mauern gewaschen, und das Stadtviertel von Montmartre ist praktisch touristenfrei. Es entsteht eine Großstadt aus Kopfsteinpflaster, Straßencafès und bilderbuchhaften Mètro-Eingängen, die mit dem realen Paris wohl wenig, dafür aber mit dem fantasiebegabten Blick Amèlies umso mehr zu tun hat.
Manche Einstellung erinnert in ihrer Komposition an ein Gemälde, auch bei lebhaften Farben spart Jeunet nicht. Farbe in ihr eigenes Leben zu bringen ist für Amèlie schwieriger, doch mit einem Griff in die bunte Trickkiste gelingt ihr schließlich auch das.
Modernes Märchen muss nicht kitschig sein
Audrey Tautou fiel dem Regisseur auf einem Plakat zu ihrem Film "Venus Beautè" auf, ihr Engagement für die Rolle der Amèlie ist ein wahrer Glücksfall. Sie spielt eine traumhafte Amèlie, die es schafft, den Film auch als modernes Märchen nicht kitschig wirken zu lassen.
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