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Sam Raimis Mystery-Thriller "The Gift" mit Hillary Swank und Cate Blanchett.
GÜNTER VERDIN
Schwere Zeiten für Gruselschocker. Die Realität hält zur Zeit Horror-Szenarien bereit, gegen die ein sogenannter Mystery-Thriller wie "The Gift - Die dunkle Gabe" eher entspannend wirkt. Dabei steht außer Frage, dass Regisseur Sam Raimi ("Tanz der Teufel" - und mit Spannung erwartet: "Spider Man") sein Grusel-Handwerk perfekt beherrscht. Freilich geraten in diesem Streifen um den sechsten Sinn einer alleinerziehenden Mutter die Schock-Effekte allzu vordergründig. Die Kamera von Jamie Anderson zeigt uns gerne den unheilschwangeren Himmel durch ausladende Baumkronen und spielt den rätselhaften geheimen Beobachter.
Gleich zu Beginn gibt es - symbolträchtig wie der ganze Film - eine optische Inhaltsangabe: eine Uhr, die auf halb Zwei steht und Spezialkarten für Wahrsagerinnen. Jeweils um halb Zwei in der Nacht wird Annie Wilson von schrecklichen Albträumen und Visionen heimgesucht, und diese Traum-Sequenzen haben ihre Tag-Bedeutung in der Real-Handlung.
Mit ihren telepathischen Fähigkeiten, unterstützt durch die Kunst des Kartenlesens, leistet Annie Wilson weniger magische, denn psychotherapeutische Hilfe etwa für den Automechaniker Buddy, der als Kind vom eigenen Vater missbraucht wurde. Im Klima der alltäglichen Gewalttätigkeit in der Kleinstadt Brixton bringt die Hellseherin mit dem Schläger Donnie Barksdale (erschreckend gut: Keanu Reeves) den Falschen wegen des Mordes an einer jungen Frau ins Gefängnis und gerät in extreme Gefahr, weil der wirkliche Mörder nun sie aus dem Weg räumen will.
Das Problem dieses Thrillers ist, dass das Unglaubliche, das in die Kleinstadt einbricht, oftmals, bedingt durch die Banalität der Dialoge, nur unglaublich komisch ist. In diesem Umfeld hat auch eine Schauspielerin wie Hillary Swank ("Boys don't cry") keine Chance, ihrer Rolle als geprügelte Ehefrau Kontur zu geben. Mehr Möglichkeiten hat da schon Giovanni Ribisi, der dem traumatisierten Buddy grelle psychopathische Züge verleiht.
Rundum überzeugend spielt Cate Blanchett die vom sechsten Sinn eher bedrängte denn beschenkte Hausfrau und Mutter. Dass sie einfach zu intelligent für diesen ganzen Märchen-Schauder-Spuk wirkt, in den sie Kraft, Wut, Panik und Seele investiert, ist nicht ihre Schuld.
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