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Popstar Jennifer Lopez in der Hauptrolle des Psychothrillers „The Cell” von Tarsem Singh.
MICHAEL STADLER
Was geht nur in diesem kranken Gehirn vor? – Eine Frage, die sich so oder in ähnlicher Form jeder Filmkommissar stellt, der gegen einen Triebtäter ermittelt. Die kluge Antwort folgt in der Regel vom zuständigen Polizeipsychologen. „The Cell” begnügt sich nicht mit grauer Theorie. Die Handlung wird gleich in das Gehirn des Psychopathen verlegt. Es folgt eine visuelle Achterbahnfahrt durch Urängste, Traumata und Horror. Als Transportmittel in die bi-zarrs-ten Albträume dient ein Neuro-Transmitter. Dieser funktioniert ähnlich wie das „Beamen” auf dem Raumschiff „Enterprise”, nur dass sich die Reisenden nicht an einem anderen Ort, sondern in den Gedanken eines anderen Menschen wieder finden. Für die von Popstar Jennifer Lopez gespielte Therapeutin Catherine Deane ist dies bereits Routine. Das ändert sich schlagartig, als sie im Auftrag des FBI in die Gedankenwelt eines schizophrenen Serienmörders eindringen soll.
Die ersten 30 Filmminuten bietet Regisseur Tarsem Singh rasanten, spannenden Psycho-Thriller. Im Mittelpunkt steht die Jagd auf einen sadistischen Täter (Vincent D'Onofrio), der Frauen entführt, sie in ein Gefängnis aus Plexiglas sperrt, in dieses langsam Wasser fließen lässt und die Opfer im Todeskampf filmt. Dem FBI-Ermittler Peter Novak (Vince Vaughn) gelingt es, den Wahnsinnigen zu fassen. Bei der Verhaftung fällt der Mörder allerdings ins Koma. Für Novak und Deane beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Eine Frau befindet sich noch in der Gewalt des Verbrechers. In ihrem Käfig steigt das Wasser Stunde für Stunde. Wird das Versteck nicht innerhalb eines Tages gefunden, hat das Opfer keine Chance mehr. Als der FBI-Mann und die Therapeutin mittels Neuro-Transmitters in die krankhaften Phantasien des Mörders einklinken, beginnen die Grenzen zwischen realer und irrealer Welt zu verschmelzen.
Der Kinobesucher sieht sich ei nem wahren Bombardement an visuellen Reizen ausgesetzt. Heile Welt und Horror werden stakkatoartig aneinander gereiht. Freunden von Special Effects wird einiges geboten. Völlig abstrakte Farbkompositionen und surreale Albtraumsequenzen folgen auf Bilder, die der Kitschästhetik von Jeff Koons entsprechen. Erholsame Momente bietet lediglich das Gesicht von Jennifer Lopez, die jedoch nicht schauspielern darf, sondern nur in Szene gesetzt wird. Davon versteht Regisseur Tarsem Singh eine Menge, kommt er doch vom Werbefilm.
Nach der vielversprechenden ers-ten halben Stunde verlor Singh dramaturgisch die Kontrolle über seine Bilderflut. Bizarre Gewaltszenen dienen scheinbar nur mehr dem Zweck, die Schmerzgrenzen des Publikums zu überschreiten. Gewalt mag im Film durchaus ihre Berechtigung haben und gewisse Funktionen erfüllen.
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