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Luna Papa
Ein Stier fällt vom Himmel
Moritz Bleibtreu in dem vielfarbig-poetischen Filmmärchen „Luna Papa” aus dem russischen Orient.

REINHARD KRIECHBAUM

Das Mädchen Mamlakat lebt in einem Bauern- und Fischerdorf am Kaspischen Meer und träumt von einer Filmkarriere in Hollywood. Eine Truppe fahrender Schauspieler kommt mit einer al­ tersschwachen Propellermaschine herbeigeflogen. Mit diesem wenig Vertrauen erweckenden Vehikel ist sie auch rasch wieder dahin über alle kahlen Berge. Einer der Künstler gab vor, Tom Cruise zu kennen. Es blieb nicht bei Erzählungen. Als die Schauspieler fort sind, ist Mamlakat schwanger.

Für die traditionsverbundenen Menschen ist das die Sensation schlechthin, die Tagträumerin Mamlakat wird zum Opfer des Dorfklatsches. Vater und Bruder machen sich daran, die Familienehre wieder herzustellen. Der Kindsvater muss gefunden werden, um jeden Preis. Gemessen an der dörfischen Weltsicht führt die abenteuerliche Reise in erschreckende Ferne – zum Beispiel ins Theater von Samarkand: Eine Shakespeare-Aufführung nimmt durch die sehr entschieden auftretende Männer-Riege einen unerwartet heftigen Verlauf.

Zu diesem Film fallen sofort Parallelen aus dem Filmschaffen von Emir Kusturica auf. Auch der hat ja das Talent, todtraurige Geschichten so zu erzählen, dass man lauthals lachen kann. Oder er lässt hinter skurriler Komik plötzlich das Drama durchscheinen, das zwangsläufig dann entsteht, wenn traditionelle Lebenseinstellungen und moderne Lebensumstände nicht mehr so recht zusammenpassen. Da ergeht es Kusturicas „Gipsies” nicht viel besser als den Landsleuten des 1965 in Tadschikistan geborenen Filmemachers Bakhtiar Khudojnazarov.

Das Dorf am Kaspischen Meer ist freilich noch um einiges malericher als die Zigeunersiedlungen an der Donau, wo Kusturica seine Filmmärchen gerne ansiedelt. „Luna Papa” ist ein orientalisches Märchen, eine Geschichte in Gleichnissen – und doch sind sehr konkrete Menschen in ihren Sehnsüchten und Verunsicherungen beschrieben. Der Homo sowjeticus hat sich dort nie durchgesetzt, aber die Zeit ist natürlich ebensowenig stehen geblieben wie anderswo. Traditionsbewusstsein und Flugzeuge – wie geht das zusammen? Gar nicht, wie sich herausstellt. Nachdem die Geschichte für Mamlakat beinahe auf ein gutes Ende zusteuert, nimmt sie doch eine fatale Wendung.

Endlich hat sich ein Bräutigam gefunden (wenn schon nicht der Kindsvater), doch er wird erschlagen – durch einen Stier, der aus einem Flugzeug stürzt. Und Mamlakats Kind? Dieser muntere Knabe, Chabibulla wird er nach der Geburt heißen, nimmt schon pränatal aus dem Bauch der Mutter heraus regen Anteil an der Suche nach „Luna Papa”. Er ist der Erzähler dieser haarsträubend-poetischen, hinterlistig-witzigen und einfach urkomisch-turbulenten Geschichte. Mehrere europäische Staaten (Österreich, Deutschland, die Schweiz und Frankreich) haben für diesen Film Produktionsmittel zur Verfügung gestellt. Moritz Bleibtreu (bekannt geworden mit dem Kultfilm „Lola rennt”) ist europäischer Guest Star.

diese seite | 14.05.2002 | 13:00

Daten und Fakten

Regie: Bakhtiar Khudojnazarov

Schauspieler: Moritz Bleibtreu, Chulpan Khamatova, Merab Ninidze

Genre: Komödie

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