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"Lost Souls": Regiedebüt von Janusz Kaminski.
REINHARD KRIECHBAUM
Der Teufel fährt in einen völlig normalen Menschen. Das ist eine erprobte Tarnung. Und was heißt schon "normal"? Das ist also einer, der nicht viel am Hut hat mit dem lieben Gott - und mit dem völlig aus der Mode gekommenen Teufel schon gar nicht. Der Buchautor Peter Kelson ist ein Yuppie vom Scheitel bis zur Sohle. Dass sich ein Traum wiederholt, in dem das Wort XES vorkommt, wird unter seinesgleichen durch simples Verkehrtherum-Lesen plausibel entschlüsselt. Das kann doch nichts Ernstes bedeuten? Im griechischen Alphabet ergibt die Ziffernsumme dieser Buchstaben aber 666, und das wiederum ist eine Teufelszahl. Maya Larkin, einst durch kirchlichen Exorzismus geheilt, glaubt nicht nur an Gott, sondern auch an den Teufel. Sie deutet die Zeichen. Wie aber soll sie den Yuppie davon überzeugen, dass der Teufel aller Voraussicht nach genau am 33. Geburtstag von ihm Besitz ergreifen wird? Glücklicherweise lassen drastische Ereignisse nicht lange auf sich warten. Es ist Geisterstunde rund um die Uhr.
Themen wie "Lost Souls" finden allemal ihr Publikum, weil die Sehnsucht nach der Mystik eben grundgelegt ist im Menschen. Kein Zufall, dass die katholische Kirche gerade noch im alten Jahrtausend ein Handbuch über Teufelsaustreibungen herausgegeben hat: "De Exorcismis et supplicationibus quibusdam" ist die erste offizielle Anleitung seit 1614! Von Hollywood ist natürlich keine tiefgreifende theologische Analyse zu erwarten, sondern ein zeitgeistiger Film - und "Lost Souls" ist ein in jeder Hinsicht teuflisch guter Film geworden. Man kennt Janusz Kaminski als Oscarverwöhnten Kameramann ("Schindlers Liste", "Saving Private Ryan"). Jetzt hat er erstmals auf dem Regiestuhl Platz genommen und ein Buch umgesetzt, das gerade vom virtuosen Umgang mit dem Bild lebt. Raffiniert greifen Computeranimation und reale Fotografie ineinander. Suspense ist das eine Zaubermittel, das den Film trägt und keine Spannungs-Leerläufe zulässt.
Das zweite Zaubermittel sind gute Schauspieler. Da haben wir es mit durchwegs zwielichtigen Charakteren zu tun, mit Leuten, denen man im echten Leben keinen Wagen, aber auch keine Teufeleien abkaufen würde. Vor allem Winona Ryder hat einen Blick drauf, der uns bis zuletzt rätseln lässt: Meint sie es wohl wirklich gut mit dem vom Teufel besessenen Yuppie (Ben Chaplin), oder lauert sie nur auf ihre Chance, um ihm mit rabenschwarzen Absichten auf die Pelle zu rücken? John Hurt ist der charismatische Pater Lareaux, dem ein Exorzismus an einem Mörder nicht gut bekommen hat. Irgendwie ist der ganzen Gesellschaft nicht zu trauen, und das macht die Sache besonders aufregend.
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