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Ein melancholischer Marcello Mastroiani macht in "Erklärt Pereira" eine fortschrittliche Entwicklung durch.
ANTON THUSWALDNER
Er darf nicht so sein, wie er gerne sein möchte. Die Zeit spielt nicht mit. In Spanien herrscht Krieg, die Deutschen machen mobil gegen die Juden und in Portugal, wo sich Pereira bevorzugt seiner Liebe zur Literatur hingibt, sind die Faschisten unter Salazar an der Macht. Das alles kümmert Pereira nicht, weil er in den Texten, die er liebt, das Reich der Freiheit findet. Dieses setzt er allen politischen Turbulenzen entgegen. Die Welt brennt und Pereira glaubt, dass sein Elfenbeinturm vor den Flammen gefeit ist. So einfach ist das! Ist das so einfach?
Der Italiener Antonio Tabucchi erzählt in seinem Roman "Erklärt Pereira" die Geschichte eines Intellektuellen, der gezwungen ist, Stellung zu beziehen. Der gleichnamige Film von Roberto Faenza übersetzt den Text in schöne, melancholische Bilder und zeichnet Schritt für Schritt die Entwicklung eines Mannes nach, der den Mut zum Aufbegehren findet. Aus einem Schwächling wird ein Rebell, aus einem Duckmäuser ein Aufständischer. Der Film erfüllt die Wünsche des Zuschauers. Pereira macht genau das, was das Publikum von ihm erwartet. Nach einer längeren Strecke der Erkenntnis erwacht er zur Tat und setzt eine Handlung gegen das Regime der Kriegstreiber und Menschenverächter. So ist der Film achtbar, aber verkürzt den Roman Tabucchis auf eine klare Aussage, mit der sich jeder gerne abfindet.
Die Stimmung ist gedrückt, ein Trauerflor weht über Lissabon, der Hauptstadt der Melancholie. Marcello Mastroiani spielt den traurigen Literaturredakteur, den seine Gegenwart plötzlich und unvermutet einholt. Soldaten marschieren durch die Stadt, die Stimmung wird aggressiver, die Insignien der Macht bekommen etwas einschüchternd Bedrohliches. Spitzel bevölkern die Stadt, das Denken ist kontrolliert. Pereira macht sich klein, übt sich ein in die Unauffälligkeit. Aber es geschieht, was geschehen muss. Ohne dass er etwas dagegen unternehmen kann, wird er, der am liebsten seine Ruhe hat, heimgesucht von Nachrichten, die seine Gleichgültigkeit erschüttern. Menschen seiner nächsten Umgebung konfrontieren ihn mit den wahren Zuständen seiner Zeit und widerwillig kommt Pereira, der Zauderer, zur Einsicht.
Wer weiß, ob wir jemand anderem als Marcello Mastroiani diese Wandlung so ohne weiteres abkaufen würden. Zuerst ist er der stille, abgeklärte, in sich selbst zurückgezogene Einsame, der Scheu zeigt, mit den Menschen in Beziehung zu treten. Und dann ist er der dynamische Kämpfer, stolz, Farbe bekannt und den Faschisten Widerstand geleistet zu haben. Das ist schön anzusehen. Dennoch haftet dem Ganzen etwas von politischem Frohsinn an, etwas freundlich Optimistisches. So bekommt der Zuseher eine deutliche Botschaft mit auf den Weg. So einfach strukturiert ist die Literatur des Antonio Tabucchi dann doch nicht.
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