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Juliette Binoche in Lasse Hallströms Verfilmung eines Romans von Joanne Harris: "Chocolat".
MICHAEL STADLER
E war einmal ein Städtchen, dessen Bürger lebten fromm vor sich hin. Darüber, dass sie weder von den kleinen noch den etwas größeren Freuden des Alltags in Versuchung geführt wurden, wachte der Graf mit Argusaugen. Als eines Tages eine gute Fee auftauchte und den Bewohnern die süßen Seiten des Lebens näher bringen wollte, reagierte der Graf böse. Er verbot seinen Untertanen den Umgang mit der Schönen und denunzierte sie als Hexe. Diese wehrte sich allerdings mit einem wirksamen Zaubermittel: Schokolade . . . Auf diesen märchenhaften Nenner könnte man Lasse Hallströms Verfilmung des Romans "Schokolade - Eine himmlische Verführung" von Joanne Harris bringen. Bei der Vorlage handelt es sich um Unterhaltungsliteratur, die zwar keine hohen Ansprüche stellt, aber zumindest kurzweiligen Lesestoff bietet. Das Sujet scheint dem schwedischen Regisseur zu liegen. Er ist ein magischer Bildgeschichten-Erzähler, der menschliche Charaktere auf die Leinwand zaubert, viel mit Symbolen sowie Zitaten arbeitet und darüber hinaus keinerlei Berührungsängste vor Klischees zeigt.
Die Hauptrolle spielt jene braune Masse, die aus der Kakaobohne gewonnen wird und den Mayas als "Speise der Götter" galt. Im franzö-sischen Städtchen Lansquenetsous-Tannes sieht man das im Jahr 1959 allerdings ganz anders. Der Comte de Reynaud, Bürgermeister der Gemeinde, betrachtet es als gottlose Provokation, dass eine Fremde ausgerechnet in der Fastenzeit eine "Chocolaterie" eröffnen will - und das gegenüber der Kirche. Er ruft zum Boykott des Geschäfts auf und ist sicher, dass Mademoiselle Vianne spätestens zu Ostern bankrott sein wird. Anfangs scheint der Feldzug des sittenstrengen Bürgermeisters gegen das süße Verderben von Erfolg gekrönt zu sein. Lediglich ein paar Außenseiter der Dorfgemeinschaft wagen sich in den kleinen Laden. Es spricht sich allerdings bald herum, dass die Pralinen von Vianne nicht weniger sinnlich sind, als es die "Chocolaterie"-Besitzerin selbst ist.
Juliette Binoche verkörpert die ebenso attraktive wie auch selbstbewusste Konditorin, die um Existenz und Anerkennung kämpft, mit einem Schuss Erotik. Nicht weniger sehenswert erscheint Alfred Molina in der Rolle des asketischen Bürgermeisters. Johnny Depp bringt wiederum in einer Nebenrolle als fahrender Zigeuner das Herz Viannes zum Schmelzen. Hallströms Film "Chocolat" ist so süß wie Schokolade selbst. Da sollte es auch nicht zu sehr stören, dass manche Szenen des Streifens etwas kitschig geraten sind. Damit ja kein bitterer Beigeschmack bleibt, wartet der Filmemacher sogar mit einem Happy End auf - dieses entspricht nicht der literarischen Vorlage.
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