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"Brot und Tulpen": eine melancholische Komödie mit Licia Maglietta und Bruno Ganz.
REINHARD KRIECHBAUM
An manchen Tagen läuft alles schief. Aber eine Richtungsänderung kann auch ihr Gutes haben. So landet Rosalba, nachdem ihr der Reisebus an einer Autobahn-Raststätte vor der Nase davongefahren ist, unverhofft per Autostopp in Venedig. Dort findet sie Quartier bei einem vom Leben enttäuschten Kellner (Bruno Ganz). Er hat zwar schon die Schlinge um seinen Hals gelegt, aber angesichts der liebenswürdigkontaktfreudigen Rosalba (Licia Maglietta) verschiebt er sein Vorhaben auf unbestimmte Zeit. Rosalba beschließt, "Familienurlaub" zu machen. Schließlich ist sie im Bus ihrem Mann und ihren Söhnen auch nicht abgegangen . . . "Brot und Tulpen" hat eine leise Poesie, irgendwo zwischen Komö-die und Melodram. Rosalba lernt in Venedig schrullige Leute kennen, einen Blumenhändler zum Beispiel. Er hat sehr eigene Vorstellungen von der Sprache der Blumen und möchte seinen Kundinnen akkurat nie jene Pflanzen verkaufen, die sie wollen.
Dann ist da noch die Nachbarin, eine Heilmasseurin, die bisher wenig Glück mit den Männern gehabt hat. Und Rosalbas Liebe? "Brot und Tulpen" lebt nicht vom den gängigen Klischee einer Frau, die sich aus Haushalts-, Kinder- und Gattenfrust in eine wilde Sache hineinsteigert. Sie sucht und findet sich weitgehend allein - erst in einer der letzten Szenen finden sie und der Kellner Fernando wenigstens zum Du-Wort. "Brot und Tulpen" wurde im Vorjahr in Italien gleich in neun Kategorien mit dem "David di Donatello" ausgezeichnet. Ein schöner Erfolg für den wenig bekannten Regisseur Silvio Soldini. Der Streifen ist auch in den Nebenrollen mit durchaus charismatischen Schauspielern besetzt. Da hat jede Figur ihre Sonn- und Schattenseiten, ihre kleinen Geheimnisse. Wer Italienisch kann, wird in der originalsprachlichen Version an Bruno Ganz altertümelndliterarischer Diktion seine helle Freude haben. Und die "Kulisse" von Venedig? Es ist jenes Venedig, das man als Tourist meist vergeblich sucht, mit stillen Campielli, menschenleeren Gässchen und jenem morbiden Charme, der gerade zu dieser feinen Geschichte so unvergleichlich gut passt.
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