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Die hinreißende Reneè Zellweger in "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück"
REINHARD KRIECHBAUM
Schokolade zum Frühstück? Wär's doch nur das! Das eigentliche Problem der Bridget Jones ist das umgedrehte "M". Statt Mann eben Whiskey oder gar Wodka: macht auch was her, zumindest kalorienmäßig. Neujahrsvorsatz für die Anfangs-Dreißigerin: weniger rauchen, weniger trinken, "netten, sensiblen Mann suchen". One-Night-Stand, ade! Und schließlich: ein Tagebuch führen. Die Fortschritte in Sachen positiver Lebensbewältigung wollen ja dokumentiert sein.
Bridget Jones hat längst erkannt, dass sie nicht ganz den Norm-Maßen unserer Zeit entspricht, den Traumfiguren in den Hochglanzmagazinen ebenso wenig wie dem Knigge des Medienzeitalters. Auf dem geschliffenen Parkett einer privaten Party oder gar eines öffentlichen Empfangs rutscht sie schon dahin, bevor sie überhaupt zum ersten Schritt ansetzt. In ihrem Bücherregal stauen sich die Lebensratgeber. Gute Freundinnen haben ebenso gute Tipps parat. Aber sie ist eben eine, die geradeheraus ihre Meinung sagt.
Die hinreißende Reneè Zellweger gibt der Kultfigur aus den Bestseller-Listen Fleisch und Blut und Fettpölsterchen. Die Story kommt ja aus einer englischen Zeitung. Die Journalistin Helen Fielding schrieb eine regelmäßige Kolumne über das verquere Ich-Sein in einer Zeit mediensuggerierter Fremdbestimmung. In Buchform wurde das zum Bestseller.
Es mangelt ja nicht an Leuten, die nach einer Identifikationsfigur wie Bridget Jones lechzen - und das sind keineswegs nur weibliche Leute.
Richard Curtis ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") hat das pfiffige Script geschrieben, Sharon Maguire hat die Geschichte pointiert inszeniert. Und die deutsche Synchronisation ist auch nicht von schlechten Eltern. Das hat viel Leichtigkeit, kein Gag wird überstrapaziert. Es sind schließlich genug skurrile Personen da, um Abwechslung zu garantieren.
Immer wieder schrammt die Geschichte hart an einem Happy End vorbei, aber immer kommt es noch schlimmer für die arme Bridget Jones. Lange wird nicht klar, wer denn jetzt der "Traummann" sein könnte. Hugh Grant vielleicht, der Bilderbuch-Schönling? Ein Makel (und nicht der einzige) an ihm ist, dass er Bridgets Chef ist. Aber da ist ja noch der tolle Anwalt. Doch der trägt Pullover und Krawatten, die seine Mutter aussucht. Bei Bridget, die große Stücke auf die trendige Linie hält, kommt so was nicht wirklich gut an.
Ein bisserl naiv ist sie ja, die gute Bridget Jones. Gehobener Small Talk wirft sie rasch aus der Bahn. Als PR-Lady eines Verlags soll sie den Titel "Kafka's Motorbike" promoten, als das beste je erschienene Buch. Aber unter den Gästen ist Salman Rushdie. Da merkt sogar sie, dass man mit den Superlativen nicht übertreiben sollte. Dafür verläuft der Abend sonst durchaus zufriedenstellend, bis zu dem Moment, da man beginnt, einander zu entkleiden: Das Bauch-Stützmieder droht zum verheerenden Lust-Dimmer zu werden.
Aber pikanterweise gehen in dieser Story die haarsträubendsten Situationen meistens gut aus, wogegen der Alltag schier ruinöse Überraschungen bereithält: urkomisch, nicht nur für Dreißiger, die mit der Midlife-Crisis liebäugeln.
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