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Johnny Depp, Penelope Cruz und Franka Potente in "Blow", Ted Demmes Porträt eines Drogenhändlers.
SANDRA VOGELL
Seit den Dreharbeiten zu "Blow" hängt ein Foto am Kühlschrank von Franka Potente. Ein Beweisfoto sozusagen, auf dem eindeutig zu sehen ist, wie sie Johnny Depp küsst. Denn das ist es, was alle, einschließlich ihrer Freundinnen am meisten interessiert an ihrem Hollywood-Debüt: Wie ist es, wenn man Johnny Depp küssen darf? "Nett", sagt sie, "aber hinterher ist man auch kein anderer Mensch."
Nachdem dieses Thema geklärt ist, kann man in aller Ruhe über den Film reden. "Blow" erzählt vom Leben eines der größten Kokaindealer Nordamerikas und ist doch kein typischer Film über die böse Drogenmafia und die üblen Folgen des Drogenmissbrauchs, sondern in erster Linie die tragische Biografie eines einfachen Menschen.
Johnny Depp spielt George Jung, in den 60er Jahren ein Typ, der zusammen mit ein paar Kumpels "Gras" verkauft hat. In den späten 70ern war er Koksdealer, der im großen Stile mit dem Drogenkartell Pablo Escobars kooperiert. Ein kleiner Junge aus der Provinz wird zum vielfachen Dollarmillionär mit dicker Villa, fetten Autos und schönen Frauen. Die klassische Geschichte vom Aufstieg, aufden nur der Fall folgen kann. "Blow" basiert auf Fakten, die man in den Akten des FBI nachlesen kann. Der echte George Jung sitzt zur Zeit im Gefängnis, voraussichtlich bis zum Jahr 2014 und ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung. Johnny Depp hat ihn mehrmals im Gefängnis besucht, bis er ihn gut genug verstanden hat, um die Rolle perfekt zu interpretieren.
Und tatsächlich legt er in diesem Film eine Leistung hin, die oscarreif ist. Er spielt die Entwicklung vom sorglosen Hippie in den 60ern bis zum seelisch gebrochenen Dealer in den 80ern so mitreißend, dass man am Ende tief bewegt ist. Der Film ist zugleich das tragische Portrait eines kleinen Mannes, der zu Geld kommt, und das Portrait einer Gesellschaft im Rauschzustand. Franka Potente hat "Blow" zu ihrem Hollywood-Debüt gemacht, weil die Figuren nicht verurteilt, sondern "als menschliche Wesen dargestellt werden".
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