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Joe Berlingers „Blair Witch Project 2” versucht, die Hexe aus dem Versteck zu locken.
DANIEL RONEL
Zwei Jungs, ein Mädchen, allein im Wald. Aufgebrochen, um einer legendären Hexe nachzuforschen, eingebrochen, weil von der Alten zu Tode geängstigt. Die morbide Schnitzeljagd „The Blair Witch Project” war vor einem Jahr eine verblüffende Pseudo-Dokumentation, auffällig auch deshalb, weil sie zum bislang profitabelsten Film der Geschichte wurde: Die Billigproduktion spielte weltweit ein vielfaches ihrer Kosten ein. Jetzt beginnt der Spuk von Neuem. Und wieder geht es um unvorsichtige Wandersleute. Fünf Jugendliche, die den berühmten Hexen-Film im Kino gesehen und für „cool” erklärt haben, begeben sich neugierig auf Spurensuche an Original-Schauplätzen im Gehölz. Originell dieser Anfang, denn er degradiert Teil eins zur Fiktion und kann jetzt neu und authentisch ansetzen.
Natürlich hat das Zeltlager fatale Folgen: Die jungen Leute verlieren nach einer Nacht im Freien erst ihre Ausrüstung und dann nach und nach die Erinnerung und den Verstand. Zwar finden sie im Gegensatz zu ihren Vorgängern den Weg zurück in die Zivilisation, doch sie scheinen dabei nicht allein zu sein . . . Was ist Wahn, was Wirklichkeit, gibt es die Blair-Hexe am Ende wirklich? Um ehrlich zu sein, es interessiert nicht. Denn „Blair Witch 2” entpuppt sich schnell als Schauersaga, die aus bewährten Grusel-Versatzstücken zusammengeschustert ist. Die Fortsetzung, die auf Wackelkamera und Doku-Touch von Teil eins verzichtet, scheitert. Warum konnte man die Hexe nicht einfach ruhen lassen? Weil Fortsetzungen schnelles Geld versprechen. Darum.
Abgesehen davon, dass es in diesem Kinojahr ohnehin schon reichlich nervliche Belastungsproben gab, ist die Melkkuh „Blair Witch 2” bemühter und mystischer Murks, der nur anstrengt. Aber fürchtet euch weiter: Teil 3 ist bereits in Planung.
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