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Unbefriedigende Verfilmung des US-Kultromanes "American Psycho".
BERNHARD FLIEHER
Patrick Bateman ist ein schöner, 27-jähriger Niemand. Also ist er auch kein Mörder. Auch wenn er oft mit Blutspritzern im Gesicht, einem Beil in der Hand und einem blutigen Laken in der Wäscherei zu sehen ist und ihn Freunde treffen, als er gerade einen Wäschesack - gefüllt mit einer Leiche - aus seiner Wohnung schleppt. Ist am Ende das ganze Leben von Bateman aber nur eine Phantasie? Er mordet unerkannt, kann jederzeit verschwinden, wird niemals verletzt, sitzt mit seinen gelackten Freunden in noblen Clubs und übt sich im Phrasendreschen. Mit der Gabe immer (unerkannt) durchzukommen - und hier dient der Geschichte die Nobelmarken-Verliebtheit der Protagonisten, die übermächtige Bedeutung von Äußerlichkeiten als perfekte Hülle der Wirklichkeit - steht er auch außerhalb der Menschheit. So zumindest kann man sich die Sache einreden, wenn man nicht daran glauben mag, dass die Welt an ihrer Oberfläche fad ist und nur von Lug und Trug aufrechterhalten wird. Und dass nur die Abgründe spannend sind.
US-Autor Bret Easton Ellis hat Bateman in seinem Roman 1991 durch das New York der Yuppies geschickt als Serienkiller aus Lust und im Cerutti-Anzug geschildert. Ein blutiger, satirischer Rückblick auf die an der Oberfläche durchgestylten 80er Jahre war das. Dieser Blick gelingt Regisseurin Mary Harron bei der Verfilmung des Buches nicht, weil sie ihrem Bateman niemals auch nur in Andeutungen das Format einer realistischen, "ganz normalen" Figur mit dem Drang zu morden zugesteht. Was wir im Kino sehen, ist ein nur rasender Traum, ein sich in Luft auflösendes "Geständnis" (Bateman), das - so wird vermittelt - nur der Phantasie entspringt. Und damit wird vieles der haltlosen Lust am Beobachten und Durchführen von Grausamkeiten entschärft.
Niedermetzeln und Nobelgarderobe werden in kalte, manchmal Werbespotinspirierte Atomsphäre eingebettet. Der schon im Buch vorgegebene Soundtrack des Grauens von Huey Lewis über Chris de Burgh bis Genesis wird eingehalten. Geheime Lust an den Bluttaten Batemans entsteht niemals. Niemals schafft der Film eine Stimmung, die einen nachdenken lässt, ob das nicht alles auch ein bisschen wirklich sein könnte, eine Stimmung, die die Sehnsucht nach den eigenen Unterwelten zumindest auf der Leinwand befriedigt.
Ellis' Roman, der eben mit diesem Denken an die Wirklichkeit so hervorragend spielt, wird - nicht zuletzt wegen des Skandals, den die Veröffentlichung unter ironielosen Lesern ausgelöst hat - immer bleiben. Der Film ist (spätestens) nach eineinhalb Stunden abgehakt.
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