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Almost Famous
Auf Ochsentour
"Almost Famous" ist die köstliche Persiflage eines Rock-Insiders auf das turbulente Leben "on the Road".

RONALD ESCHER

Man sollte Rock 'n' Roll nicht so tierisch ernst nehmen: Das ist die "Botschaft" des Films "Almost Famous" - sofern es darin überhaupt eine Botschaft gibt. Für das Publikum mag Glanz und Glitter im Rock-Business (der Film spielt in den 70er Jahren) mitunter ja so etwas (gewesen!) sein wie Revolution, Emanzipation, Religion: Doch für die, die dieses Imgage leben, ist es meist eine Ochsentour aus betrügerischen Promotern, muffigen Hotelzimmern, minderwertigem Fusel, billigem Sex und endlosen Ego-Konflikten mit den Weggefährten, von Rumpelbussen auf endlosen Fernstraßen und dreckigen Autobahn-Toiletten ganz abgesehen.

Was ist "Ruhm" im Rock-Geschäft überhaupt? Ist das die niederschmetternde Wucht der berühmten drei Gitarren-Akkorde, die Fans zu Unterworfenen jener machen, die über ihnen auf der Bühne stehen? Oder ist es nur das Image, das Rock-Journalisten als Insider nach Lust und Laune von bestimmten Künstlern formen? Diese Fragen beleuchtet Cameron Crowe in dem mit zwei Golden Globes bedachten Film "Almost Famous". Er ist ein Insider. Denn das Abenteuer, das Jung-Rockschreiber William Miller (dargestellt von Patrick Fugit) mit der fiktiven Band "Stillwater" erlebt, ist ganz offensichtlich an Crowes eigene Erfahrungen angelehnt: er hatte selbst als 16-Jähriger beim renommierten Rock-Journal "Rolling Stone" angeheuert und war offenbar der Band "Led Zeppelin" auf der Spur.

Einen geistigen "Beistand" fand er im ebenso angesehenen wie kompromisslosen "Überflieger" Lester Bangs. Die Schreib-Legende (verkörpert von Philip Seymour Hoffman) führt den Rock-Eleven William quasi als journalistischer "Guru" durch die Turbulenzen des Lebens "on the Road". William ist vor seiner "Über-Mutter" (Frances McDormand), die (als gelernte Psychologin) bereits in den Augen des harmlosen Paul Simon nichts als "Sex, Drugs & Rock 'n' Roll" sieht, zur Band "Stillwater" geflüchtet.

"Lass Dich nur nicht kaufen, schreib, wie es ist", warnt Bangs den Lehrling. Aber das ist zwischen Anbiederung und Ablehnung nicht einfach: die Musiker wollen William für ihre Popularitäszwecke ausnützen, wie sie ihn gleichzeitig auch als "Feind" betrachten, weil er zu viel ausplaudern könnte - vor allem über Groupies, von denen die umtriebige "Penny Lane" (Kate Hudson) jedoch ein goldenes Herz hat - letztlich auch für William. Cameron Crowe hat es geschafft, ohne spekulative Sex- und Drogenszenen eine köstliche Persiflage auf die ach so schöne Welt des Rock 'n' Roll zu drehen. Jeder benutzt irgendwie jeden - aber ist das so viel anders als im "normalen" Leben? Letztlich sind es nicht "Monsters Of Rock", sondern eher Wölfe im Schafspelz, die nach Gelegenheits-Happen schnappen. Und die sind spärlich, so lange man nur "fast berühmt" ist.

diese seite | 14.05.2002 | 11:03

Daten und Fakten

Regie: Cameron Crowe

Schauspieler: Kate Hudson, Patrick Fugit, Philip Seymour Hoffman, Frances McDormand, ...

Genre: Tragödie

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