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Alles über Adam
Charme-Offensive
Gerard Stembridges Komödie "Alles über Adam" mit Kate Hudson.

ANTON THUSWALDNER

Komödien machen das Leben leicht, weil sie das Leben leicht nehmen, ja manchem das Leben überhaupt abnehmen. Sie weigern sich, Trauer aufkommen zu lassen, sie bringen Optimismus in eine Welt, die aus dem Lot geraten ist. Wenn alles normal ist, braucht man keine Komödien. Erst der Absturz ins Unglück mobilisiert jene Reserven, die aus der Tragik Heiterkeit schlagen. Das Geheimnis einer Komödie besteht darin, dass sie Menschen in Situationen zeigt, die vertraut sind, doch wie sie damit umgehen, verkehrt die traurige Ausgangssituation in ihr Gegenteil.

Der irische Regisseur Gerard Stembridge widerlegt die Tragödien Ingmar Bergmans mit seiner Komödie. Es ist keineswegs ausgemacht, wer von beiden Recht hat, aber Stembridge setzt alles daran, das tragische Element in Fröhlichkeit aufzulösen. Bei Bergman rücken die Menschen einander so nah auf den Leib, bis ihnen allen die Luft weg bleibt. Sie können miteinander nicht umgehen, weil sie mit sich selber nicht fertig werden. Da weiß Gerard Stembridge einen Ausweg. Seine Leute sind allesamt sympathische Kerle, die gerne leben und sich freuen, dass andere leben, die mit ihnen das Leben genießen. Sie nehmen nichts schwer, wissen sich durchs Leben zu lavieren. Und sie sind empfänglich für die Liebe, die in Gestalt eines junges Mannes unverhofft in deren Leben einbricht.

Alles beginnt, als sich die naive Lucy in Adam verliebt. Sie hat etliche Affären hinter sich, doch diesmal hat es sie schwer erwischt. Sie möchte diesen Adam, der sie aus der Defensive geholt hat, heiraten. Sie führt ihn in ihre Familie ein, und schon sind ihre Schwestern schwer beeindruckt.

Alle beglückt er mit seiner Liebe, und selbst Lucys Bruder kann sich der geballten Charme-Attacke nicht entziehen. Es geht drunter und drüber, ein Spiel der heimlichen Leidenschaften kommt in Gang, es ist alles höchst unmoralisch und wunderschön.
Stembridges Komödie ist in einem seltsamen Zwiespalt gefangen. Einerseits feiert sie die kleinen heimlichen Ausbrüche, findet Vergnügen daran, dem Alltag ein Schnippchen zu schlagen, um sich zwischendurch erotisch aufzumöbeln. Und doch findet er keinen anderen Schluss, als sich das Paar vor dem Traualtar einfinden zu lassen, um in eine Zukunft zu gehen, wie sie jeder konventionelle Liebesfilm auch anstrebt.

Wenn bei Bergman die Menschen nicht zusammenkommen, weil der Graben des Unverständnisses viel zu tief ist, so mogeln sich die Menschen bei Stembridge heimlich über diesen Graben hinweg. In den Beziehungen stimmt nichts, es kracht und knirscht im Gebälk der Zweierbeziehungen, aber das stecken sie weg, weil sie ein Abenteuer auf Zeit anderswo unternehmen.

Das ist gewiss kein großer Film, keiner, der den europäischen Film wesentlich weiter bringt, aber einer, der seinen Zweck erfüllt, wenn man sich eine Zeit lang unterhalten will. Die Darsteller tragen dazu bei, dass die Geschichte der Verstellungen glaubwürdig abläuft. Kate Hudson, die Tochter von Goldie Hawn, spielt die Braut erfrischend optimistisch, Stuart Townsend, der Verführer, ist zurückhaltend, forsch und gewandt, gerade wie es die Situation erfordert.

diese seite | 14.05.2002 | 11:03

Daten und Fakten

Regie: Gerard Stembridge

Schauspieler: Kate Hudson, Stuart Townsen, ...

Genre: Komödie

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