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Cholerisch, egozentrisch und als Sängerin unvergleichlich: in seinem Film „La vie en rose“ zeigt Olivier Dahan ein ungeschminktes Bild der Chanson-Legende Edith Piaf.
Edith Piaf ist eine französische Nationalheldin. Trotzdem kennen sogar viele Franzosen nur wenige Details aus dem kurzen, bewegten Leben der Sängerin (1915–1963). Das dürfte sich nun ändern. Olivier Dahans Film„La vie en rose“, ab heute, Freitag, im Kino, ist eine ungeschönte, aufschlussreiche, wenn auch nicht ganz runde Kino-Biografie der Piaf.
„Der Spatz von Paris“ wird in einem Bordell groß, weil die Eltern nicht willens und in der Lage sind, für das kleine Mädchen zu sorgen. Eines Tages reißt ihr Vater die widerstrebende Edith aus diesem Umfeld, tingelt mit ihr durch die Lande und baut die Kleine in seine Zirkusnummer ein. Sie stiehlt ihm die Show, als sie inbrünstig die Marseillaise schmettert. Als Teenager (und ab sofort dargestellt von Marion Cotillard) verdient Edith ihr Geld singend auf den Straßen von Paris. Dort wird sie schließlich von dem Klubbesitzer Louis Leplée (Gérard Depardieu) entdeckt, der bald darauf den Künstlernamen „Piaf“ prägen wird.
Die Karriere der jungen Frau nimmt eine Eigendynamik an, sie wird zum weltweit gefeierten Star. Aber der Erfolg hat eine Kehrseite. Dem Alkohol ist Edith von jeher sehr zugetan. Und eine nicht enden wollende Serie von Krankheiten und Schicksalsschlägen macht ihren Alltag zum Kampf.
Wäre der Film „La vie en rose“ in Hollywood entstanden, die Mutter des Chansons wäre wohl besser davongekommen. Musikerbiografien von „Ray“ bis „Walk The Line“ huldigen den Künstlern, verharmlosen Charakterschwächen und heben Leistungen hervor. Ob mit voller Absicht oder nicht, Olivier Dahan geht mit der Piaf äußerst kritisch ins Gericht. Er zeichnet das Porträt einer cholerischen und egozentrischen Alkohol- und Arzneiabhängigen, die man wirklich nur für ihre Lieder lieben kann. In einem schauspielerischen Kraftakt lässt die junge Schauspielerin Marion Cotillard die Piaf auferstehen, dass es eine Offenbarung ist.
Die Dramaturgie des Films gestaltet sich allerdings seltsam holprig. Für das Allgemeinverständnis wichtige Lebensabschnitte werden rasch abgehandelt, nachgereicht oder ganz ausgelassen, vergleichsweise nebensächliche dafür überbetont. Wirklich sympathisch wird einem die Piaf nie, aber man kann nachvollziehen, warum sie so wurde, wie sie war. Alles in allem ist „La vie en rose“ unterhaltsam – und ehrlicher als eine Beweihräucherung à la Hollywood.
ANDRÉ WESCHE
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