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Sofia Coppola, Regisseurin des Kinoerfolgs "Lost in Translation", hat Marie Antoinettes Leben verfilmt - und zwischen opulenten Bildern den Faden verloren.
HAMBURG (SN). Um die Verbindung zu Frankreich und den Bourbonen zu festigen, wird Marie Antoinette (Kirsten Dunst), die junge Tochter von Österreichs Kaiserin Maria Theresa (Marianne Faithfull), mit nur vierzehn Jahren zur Vermählung nach Versailles geschickt.
Die Übergabe der Braut erfolgt am 7. Mai 1770 auf neutralem Gebiet in der Nähe von Straßburg. Hier muss das unbedarfte Mädchen nach französischem Ritual alles zurücklassen, dafür erwartet sie am Königshof eine schillernde Begrüßung. Sie trifft auf Thronerbe Louis (Jason Schwartzman), ihren zukünftigen Mann, durch dessen Vermählung sie zur Dauphine wird. Schnell macht sich das ungebildete Mädchen ihren neuen Status zu Nutze und das Hofleben zu ihrem eigenen Reich. Sie gibt sich hochmütig, oberflächlich und verschwenderisch, während im Rest des Reiches Menschen im Zuge der französischen Revolution verhungern. Umgerechnet 75.000 Euro soll sie mit ihren verschwenderischen Exzessen monatlich verbraten haben, bis sich das Schicksal am 16. Oktober 1793 mit grausamer Härte rächt: Marie Antoinette stirbt auf Beschluss des aufgebrachten Pöbels durch die Guillotine in Paris.
Imposante Kostüme, langatmige Bilder
Basierend auf Antonia Frasers Biografie "Marie Antoinette: The Journey" verfilmte Kritikerliebling Sofia Coppola mit modernen Bildern und schrammelnder Popmusik das Leben der Thronerbin (derzeit in österreichischen Kinos). Doch was als offizieller Wettbewerbsbeitrag in Cannes heiß erwartet wurde, entpuppte sich als langatmige Bildorgie, die außer imposanten Kostümen und eindrucksvollen Kulissen an Originalschauplätzen nicht zu beeindrucken vermag. Dabei ist das Grundgerüst der Story eigentlich dasselbe wie in ihrem Erfolgsfilm "Lost in Translation": Die Protagonistin sucht sich in einer verwirrenden Umgebung eine Lebensbasis zu schaffen und stolpert durch die Irrungen einer fremden Kultur.
Doch Coppolas Stil wirkt zu beobachtend, zu passiv, und trotz des modernen Ansatzes nichts sagend. 124 Minuten ohne Esprit, eine einzige Selbstinszenierung von Kirsten Dunst, die der schweren Bürde sichtlich nicht gewachsen war.
Wo Bill Murray und Scarlett Johansson in "Lost in Translation" ein charmantes Persönlichkeitsprofil entwarfen, erstarrt Kirsten Dunsts weltfremdes Lächeln zu einer prätentiösen Maske, die nicht zu fesseln vermag. Derart monotone Konsumorgien faszinieren höchstens schmachtende Teenager-Girls, nicht aber die Kritik, die den Film in Cannes mit heftigen Buhrufen strafte. So schwer die Aussage fällt: Sofia Coppola hat sich in Versailles verloren.
JOHANNES BONKE
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