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Der französische Psychothriller führt in Abgründe menschlicher Seelen und Untiefen scheinbar perfekter Ehen
WIEN (SN). Im vergangenen Jahr war Dominik Molls subtiler Psychothriller "Lemming" der Eröffnungsfilm in Cannes. Der Regisseur ("Harry meint es gut mit dir") erzählt darin die Geschichte eines jungen Ehepaars, dessen geregelter Alltag über Nacht aus den Fugen gerät.
Ausgangspunkt des Unheils: Ein Lemming, der den Abfluss des Waschbeckens verstopft. Wasserblasen dringen aus der Tiefe der Kanalisation an die Oberfläche, eine Spirale der Gewalt und des Misstrauens beginnt sich zu drehen. Seit vergangenem Wochenende ist der Film in österreichischen Kinos zu sehen.
Alain (Laurent Lucas) und Bénédicte (Charlotte Gainsbourg), seit drei Jahren glücklich verheiratet, wohnen in einem schicken Eigenheim im Süden Frankreichs. Beide führen sie das Leben eines Musterehepaars. Doch Loyalität und Vertrauen schwinden, als eines Abends das Dinner mit Alains Chef (André Dussolier) und dessen Frau Alice (Charlotte Rampling) eskaliert. Sexuelle Eskapaden im Leben der Gäste zeichnen ein düsteres Bild: Sieht so auch die Zukunft der noch immer frisch Verliebten aus?
Schließlich begeht auch noch die sichtlich verwirrte Alice Selbstmord und schließt somit den Kreis zum Symbol Lemming. Molls bissige Mischung aus düsterem Suspense à la Hitchcock und tückischem Thriller fesselt bis zuletzt. Und das, obwohl der deutsch-französische Regisseur ruhige Szenen bevorzugt und schnelle Schnitte ganz sparsam einsetzt, um die Spannung zu erhöhen. Nur selten hört man Melodien aus dem Hintergrund. Meist sind sie zerstückelt und unheimlich - hypnotische Klänge, die den Schrecken klaustrophobischer Enge auf die Spitze treiben.
Zwar gelingt es dem Filmemacher nicht immer, mit bizarren Wendungen zu schockieren, und auch das Ende wirkt - trotz bewusst simpler Lösung - wie aus einer "Twighlight"-Folge. Dennoch überzeugt das Psychogramm mit kühlen Bildern. Werke von David Lynch, Michael Haneke und Hitchcock sind wohl Pate gestanden. Was Traum ist und was Realität, verwischt zunehmend in einem Strudel aus Gewalt, Intrige und Imagination. Wenn im Abspann dann noch "Dream a little dream of me" erklingt, denkt Moll vermutlich: "Erwischt". Und das völlig zurecht.
STEPHAN KLIEMSTEIN
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