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Kinopremiere der charmanten Tragikomödie „Elsa und Fred“ mit China Zorrilla und Manuel Alexandre.
Elsa (China Zorilla) behauptet, 77 Jahre alt und ein „junges Mädchen in einem reifen Körper“ zu sein – frech, verlogen, aufgeweckt und todkrank. Ihr neuer Nachbar Fred (Manuel Alexandre) ist ein Jahr älter als sie und ihr exaktes Gegenbild: introvertiert, still, traurig und hypochondrisch. Trotzdem fühlen sich beide Pensionisten voneinander angezogen. Vor allem die geschiedene Elsa hofft, in Fred noch einmal die große Liebe zu finden.
Der ist vom Tod seiner erst kürzlich verstorbenen Ehefrau gezeichnet und distanziert sich anfangs von den Anbändeleien. Elsas dynamischer Lebensstil zieht ihn zwar an, gleichzeitig fühlt er sich jedoch überrumpelt. Als ein junger Arzt der Verliebten den Tipp gibt, sich mit den Männern Zeit zu lassen – sie seien in Liebesdingen für gewöhnlich immer etwas langsamer – sagt Elsa: „Ich habe nicht mehr lange Zeit. Er sollte sich also lieber beeilen.“
Der liebenswerte Greis kommt mit dem Temperament seiner neuen Bekanntschaft, die kein Fettnäpfchen auslässt, nur schwer zurecht. Zum Eklat kommt es schließlich, als ihn Elsa „nötigt“, im nobelsten Restaurant der Stadt die Zeche zu prellen. Doch selbst diese Hürde nimmt das junge, alte Pärchen mit Bravour.
Elsas heitere, jugendliche Fassade beginnt allerdings immer mehr zu bröckeln, als sie sich in einem Netz aus Lügen verstrickt – unter der Maske kommt plötzlich eine enttäuschte und alte Dame zum Vorschein, deren sehnlichster Wunsch es immer war, ein Mal wie Anita Eckberg im Trevi-Brunnen zu baden. Während die Dialysepatientin mehr und mehr welkt, blüht der schüchterne Fred in der Beziehung so richtig auf.
Regisseur Marcos Carnevales Liebesgeschichte fordert den Zuschauer nur selten zum Lachen auf, belastet ihn aber nicht mit Schwermut und Tristesse. Die spanisch-argentinische Koproduktion ist eine Liebeserklärung an das Leben und die Liebe, an das magische Band der Gegensätze und den Charme des würdevollen Alterns, den dieser Film so reizvoll versprüht.
Die vielschichtige und lebensnahe Geschichte huldigt unter anderem Federico Fellinis „La Dolce Vita“ und bewegt sich elegant zwischen sanfter Melancholie und neu gewonnenem Lebensmut. Dass schließlich erst Elsas Grabstein ihr wahres Alter offenbart, ist eines jener zahlreichen bitter-süßen Details, die diesen Film zu einem rundum befriedigenden Kinoerlebnis machen.
STEPHAN KLIEMSTEIN
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