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Kritiken

Emmas Glück
Jaguar im Bauernhof
Mit der Tragikomödie bringt Sven Taddicken den gleichnamigen Roman von Claudia Schreiber auf die Kinoleinwand.

Emma ist eine ebenso resolute wie verschrobene Einzelgängerin, die am Rande des Dorfs allein in dem von ihrem Großvater geerbten Bauernhof lebt und Schweine züchtet. Die sind ebenso glücklich wie die Hühner, Gänse und das übrige Getier, das sich auf dem Anwesen tummelt. Offenbar rechnet sich diese idyllisch altmodische Art der Landwirtschaft nicht, denn die Zwangsversteigerung des Gehöfts steht unmittelbar bevor.

Max ist ein ziemlich introvertierter Gebrauchtwagenverkäufer, den die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs völlig aus der Bahn wirft. Mit einem One-Way-Ticket möchte er nach Mexiko, um dort in einer Hängematte zu sterben. Zu diesem Zweck stiehlt er die Schwarzgeldkasse seines Chefs, der den Dieb jedoch auf frischer Tat ertappt. In Panik flieht Max mit einem Jaguar in das Dunkel der Nacht. Nun will er es sofort hinter sich bringen, beschleunigt den Wagen auf Höchstgeschwindigkeit, gibt die Hände vom Lenkrad und schließt seine Augen. Als er sie wieder öffnet, liegt er in Emmas Bett und das völlig ausgebrannte Jaguar-Wrack noch etwas rauchend vor dem Hühnerstall.

Dass aus dieser Ausgangskonstellation nahezu zwangsweise eine Liebesgeschichte resultieren muss, liegt auf der Hand. Tatsächlich handelt es sich bei Claudia Schreibers Roman "Emmas Glück" um eine Art Provinz-Version von Erich Segals Bestseller "Love Story": Eine junge Liebe wird mit dem nahenden Tod des Partners konfrontiert.

Arthur Hillers Verfilmung aus dem Jahr 1970 war dazu angetan, die Aktienkurse von Papiertaschentuch-Produzenten kräftig steigen zu lassen. Dies wollte Sven Taddicken bei der Adaption des Schreiber-Romans vermeiden. "Emmas Glück" präsentiert sich als leichtfüßig inszenierte Tragikomödie, der es allerdings nicht immer gelingt, die Balance zwischen Tragik und Komik zu halten. Die Slapstickeinlagen eines klischeehaft dümmlichen Provinzpolizisten sind kein tauglicher humoristischer Ausgleich zum melodramatisch ins Bild gesetzten Todeskampf von Max.

Aber dann bietet Taddicken wieder Szenen voller Intensität. Dazu zählen die Parallelschnitte der Einstiegssequenz. Sie zeigt, wie Emma ein Schwein nach der Schlachtung ausweidet und wie Max nackt im Krankenhaus medizinische Untersuchungen über sich ergehen lässt. Mit diesen Bildern signalisiert der Regisseur unmissverständlich, dass es in seinem Film kein Happyend geben wird.

Sehenswerte Leistungen bieten die Hauptdarsteller. Jürgen Vogel zeigt in der Rolle von Max einmal mehr, dass er es perfekt versteht, Verlierertypen glaubhaft auf die Leinwand zu bringen. Jördis Triebel ist als burschikose Bäuerin eine Entdeckung. Ihr Spiel verleiht der ganzen Geschichte eine Intimität, die über manchen dramaturgischen Missgriff hinwegsehen lässt.

MICHAEL STADLER

© SN

 

diese seite | 28.08.2006 | 16:00

Daten und Fakten

Regie: Sven Taddicken

Schauspieler: Jördis Triebel, Jürgen Vogel, Martin Feifel, Hinnerk Schönemann, Karin Neuhäuser

Genre: Komödie, Drama, Romanze

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