|
In den USA spielt "Fluch der Karibik 2" Rekordergebnisse ein. Ab morgen, Donnerstag, soll Disney-Seeräuber Johnny Depp auch die heimischen Kinokassen entern.
SALZBURG (SN). Normalerweise funktioniert es umgekehrt: ein Disneyfilm erweist sich als großer Erfolg und wird im Disneyland mit einer eigenen Attraktion geehrt. Als vor drei Jahren der Film "Fluch der Karibik" in die Kinos kam, existierte in der Erlebniswelt des Disneykonzerns längst ein entsprechender Besuchermagnet. Man besann sich der Grundelemente der Show und spann um sie herum eine kühne Geschichte voller Abenteuer, Komik und Grusel. Zweifler sagten dem erfolgsgewohnten Hollywoodproduzenten Jerry Bruckheimer seinen ersten Flop voraus. Schließlich hatten Versuche, das Freibeuter-Genre wieder zum Leben zu erwecken, stets Schiffbruch erlitten,
Doch "Fluch der Karibik" sollte Bruckheimers größter Triumph werden. Das visuelle Genie von Regisseur Gore Verbinski, gepaart mit einer attraktiven "Besatzung" und humorvollen Autoren erwies sich als Geheimrezept, um die sich einschleichende Kinomüdigkeit des Publikums zu therapieren.
Auf diese Charaktere hatte die Welt des Filmtheaters gewartet: Piratensohn Will Turner (Orlando Bloom), die schöne Keira Knightley als zarte, aber schlagkräftige Elizabeth Swann. Und Johnny Depp als Captain Jack Sparrow, der Rum saufende Inbegriff eines Antihelden.
Die Fortsetzung des Kassenschlagers folgt nun mit "Fluch der Karibik 2". Eben noch schwebten Will und Elizabeth im siebenten Himmel, da wird ihnen die baldige Hinrichtung in Aussicht gestellt. Lord Cutler Beckett (Tom Hollander) geht es allerdings weniger darum, die beiden für die Unterstützung des Piraten Jack Sparrow zu bestrafen. Er hat es vielmehr auf einen Wunderkompass abgesehen, der sich in Jacks Besitz befindet und den Will nun organisieren soll, um seinen Hals zu retten.
Jack Sparrow hat indes eigene Sorgen: Davy Jones (Bill Nighy), der untote Kapitän der "Flying Dutchman", fordert die Schulden ein, die Sparrow bei ihm gemacht hat. Captain Jack muss sich bald nicht nur mit Jones' verrotteter Crew herumschlagen, sondern auch mit einem Riesenkraken, fiesen Eingeborenen und verwirrenden Gefühlen.
Piratenabenteuer mit aufwändigen Tricks
Die Lösung aller Probleme liegt in einer verbuddelten Truhe, in der Davy Jones' herausgerissenes Herz schlägt. "Pirates Of The Caribbean - Fluch der Karibik 2" ist ein Film, der seine Herkunft - den Themenpark - nicht verleugnet. Man löst ein Ticket, hat seinen Spaß und geht beschwingt nach Hause. Die Handlung ist in diesem Fall unmaßgeblich. Jeder Erzählstrang verfolgt allein das Ziel, neue skurrile Charaktere zu etablieren, und neue Orte vorzuführen. Manches verläuft im Sand karibischer Strände. Aber das ist nicht weiter schlimm - man ist ja auf Urlaub von der Realität und im Urlaub gibt man gern Geld für etwas aus, das hübsch aussieht, aber keinen Zweck erfüllt.
Clever sind das detailversessene Produktionsdesign und die fantasievollen Computeranimationen. Allein die Crew der "Flying Dutchman", halb Mensch, halb Frutti di Mare, ist unglaublich vielgestaltig. Als Davy Jones trägt Bill Nighy mit diabolischer Würde einen Tintenfisch im Gesicht und zeigt, dass ein Schauspieler umso talentierter sein muss, je mehr eine Maske ihn verbirgt. In den USA startete "Fluch der Karibik 2" mit dem besten Wochenendergebnis der Kinogeschichte und spielte als erster Film in nur zwei Tagen 100 Millionen Dollar ein. Nun gilt es, den 24. Mai 2007 im Kalender anzustreichen, wenn der letzte (?) "Piraten"-Film in die Kinos kommt, exakt zwischen "Spider-Man 3" und "Ocean's 13".
ANDRE WESCHE
© SN
|