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Von Frühlingsgefühlen, die den angehenden Lebensherbst versüßen, erzählen die Brüder Larrieu im Spielfilm „Malen oder lieben“.
„Seit ich nicht mehr arbeite, habe ich nichts mehr zu erzählen“ – so formuliert der nicht ganz freiwillig in die Frühpension verabschiedete TV-Meteorologe William (Daniel Auteuil) die Leere, die dem Mittfünfziger das ungewohnte Rentnerdasein beschert. Der Mangel an Gesprächsstoff signalisiert auch, dass sich die Liebe zwischen William und seiner Frau Madelaine (Sabine Azéma) ebenfalls in einer Phase des Vorruhestands befindet. Kann er seine innere Leere mit Golf füllen, so wie sie in der Hobbymalerei Erfüllung sucht?
Ein Malausflug Madelaines bringt die Wende. Während sie versucht, eine paradiesische Landschaft auf die Leinwand zu bannen, stapft Adam (Sergi Lopez) durch ebendiese. Obwohl der Fremde blind ist, erklärt er der Malerin die Farben der sie umgebenden Natur. Und er weist die Hobbykünstlerin darauf hin, dass ganz in der Nähe ein altes Bauernhaus zum Verkauf stehe.
Madelaine und William haben hiermit eine neue Herausforderung gefunden, die sie ihre Krise rasch vergessen lässt. Außerdem stellen die beiden Ex-Städter fest, dass das Landleben auch ihr Sexualleben aus dem langjährigen Dornröschenschlaf weckt.
Herrliche Landschaftsaufnahmen aus dem Süden Frankreichs, ein unbeschwertes Dasein in einem Ambiente, das einer bunten „Schöner Wohnen“-Illustrierten zu entstammen scheint, und belanglose Dialoge – irgendetwas müsste doch langsam passieren! Aber Arnaud und Jean-Marie Larrieu stellen die Geduld der Kinobesucher auf eine harte Probe. Sanft plätschert die von allerlei Klischees getragene Handlung vor sich hin.
Das Paar aus der Stadt freundet sich mit dem blinden Adam, der hier das Amt des Bürgermeisters bekleidet, und dessen Frau Eva (Amira Casar) an. Immerhin spielt die Handlung im Paradies. Bibelfeste Cineasten ahnen schon, dass da irgendwo die Versuchung lauert. Ein unbeschwertes Abendessen der befreundeten Paare endet im offenen Partnertausch. Was sich im sinnlichen Rausch ereignet, das bringt endlich das kleinbürgerliche Wertesystem der Protagonisten ins Wanken. William fühlt sich manipuliert und beschimpft die Freunde als Swinger. Diese ziehen aus dem erotischen Zwischenfall die Konsequenz, ihr Haus zu verkaufen und das Dorf zu verlassen – quasi eine Vertreibung aus dem Paradies auf freiwilliger Basis. Bald beginnen der pensionierte Meteorologe und die passionierte Hobbymalerin Adam und Eva zu vermissen. Oder ist es nur die Sehnsucht nach der Sünde?
Die beiden französischen Filmemacher Arnaud und Jean-Marie Larrieu („Fin d’Été“, „Un Homme, un vrai“) sind auf zwischenmenschliche Beziehungsgeschichten spezialisiert. In „Peindre ou faire l’amour“ – so der Originaltitel von „Malen oder lieben“ – erschöpfen sie sich in beinahe mutig wirkender Harmlosigkeit. Natürlich ist der Streifen mit schauspielerischer Edelbesetzung nicht das, was er zu sein scheint, nämlich eine leichte Sommerkomödie für die Generation 50 plus. Vielmehr handelt es sich um eine ironische Annäherung an den diskreten Charme einer in die Jahre gekommenen Bourgeoisie.
MICHAEL STADLER
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