|
Mit "Basic Instinct" stieg Sharon Stone zur Sex-Ikone auf. In der Fortsetzung des Erotikthrillers bringt sie es bestenfalls zur Frontfrau der Anti-Aging-Bewegung.
SALZBURG (SN). Nach vierzehn Jahren schlüpft Sharon Stone also wieder in die Rolle der mörderischen Kriminalschriftstellerin und sie gibt gleich in der ersten Szene von "Basic Instinct: Neues Spiel für Catherine Tramell" ordentlich Vollgas: Sex am Steuer eines Sportwagens, und das bei Tempo 180. Da kann es schon vorkommen, dass ein Schlagloch übersehen wird und der sportliche Flitzer in einem Hafenbecken landet. Tramell befreit sich aus dem sinkenden Auto, während ihr Partner, ein populärer Fußballprofi, das gefährliche Spiel mit dem Leben bezahlt. Die Obduktion zeigt, dass es sich um keinen Unfall gehandelt hat. Der Tote hatte Drogen im Blut, die seine Atmung lähmten.
Wie schon in Paul Verhoevens Thriller "Basic Instinct" steht Catherine Tramell auch in der von Michael Caton-Jones ("Der Schakal") inszenierten Fortsetzung von Anfang an unter Mordverdacht. Als Gegner steht der hochintelligenten Blondine jedoch nicht mehr der von Michael Douglas gespielte Polizist Nick Curran gegenüber, sondern ein britischer Kriminalpsychologe namens Michael Glass - stocksteif verkörpert von David Morrissey.
Das altbekannte, mit Sex und Gewalt garnierte Katz-und-Maus-Spiel beginnt aufs Neue. Während Glass noch davon überzeugt ist, alles unter Kontrolle zu haben, zappelt er schon längst als Opfer im Netz der Spinne. Geschickt manipuliert ihn die Krimiautorin und bald gilt der Psychologe als Hauptverdächtiger in einer brutalen Mordserie.
Mehr als eine müde Variation des einstigen Kultstreifens bietet Michael Caton-Jones allerdings nicht. 1992 hatten Verhoeven und Stone mit "Basic Instinct" ein neues Genre aus der Taufe gehoben: den Erotikthriller. Anschließend versuchten sich rund zehn Jahre lang verschiedenste Regisseure daran - zum Teil mit durchaus beachtlichen Erfolgen. Sharon Stone selbst tauchte in Phillip Noyces Thriller "Sliver" (1993) wieder als erotisches Objekt der visuellen Begierde auf der Leinwand auf. In Jeremiah S. Chechiks Krimi "Diabolisch" (1996) war sie neuerlich als berechnend kalte Mörderin zu sehen, die ihre sexuelle Attraktivität als tödliche Waffe einsetzte. Trotz schauspielerisch ansprechender Leistungen als Mafia-Gattin in Martin Scorseses "Casino" (1995) und als zum Tod verurteilte Mörderin in Bruce Beresfords "Last Dance" (1996) konnte sich Stone nicht mehr von ihrem Image als Sexsymbol emanzipieren. Und die Filmgeschichte hat von Ava Gardner bis Rita Hayworth wiederholt bewiesen, dass die Sexgöttinnen der Leinwand ein relativ kurzes Ablaufdatum haben.
Dagegen spielt die ehemalige Miss Pennsylvania in "Basic Instinct: Neues Spiel für Catherine Tramell" noch einmal an. Die mittlerweile 48-Jährige gibt sich dabei wesentlich freizügiger als in ihren bisherigen Filmen und präsentiert ihren makellosen Körper bei jeder sich bietenden Gelegenheit. An Nacktszenen mangelt es Caton-Jones' Erotikthriller wahrlich nicht, dafür aber an erotischen Momenten. Genügte 1992 noch der Bruchteil einer Sekunde, als Stone in einem Stuhl sitzend die Beine lasziv übereinander schlug, um Fans in aller Welt rätseln zu lassen, ob sie nun einen Slip unter dem Rock trug oder nicht, so erzielt sie 2006 mit inflationär zur Schau gestellter nackter Haut kein Prickeln mehr. Ganz im Gegenteil, mit der Fortsetzung von "Basic Instinct" trägt die einstige Sexdiva ganz entscheidend zu ihrer eigenen Demontage bei.
Autor/in: MICHAEL STADLER
© SN
|