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An Überraschungen reicher Geiselthriller "The Inside Man" von Spike Lee - mit Clive Owen, Denzel Washington und Jodie Foster.
Ein Mann mit attraktivem Dreitagebart, schwarz glänzendem Haar und einem stets etwas ironisch, aber immer todernsten Gesichtsausdruck überfällt eine Bank, nimmt Geiseln und brüstet sich mit beängstigender Überzeugungskraft damit, das perfekte Verbrechen geplant zu haben. Das ist nur für Kinogänger ein unterhaltsames Anliegen. Doch wenn es sich dabei um Überfälle und Geiselnahmen handelt, auch wenn es eigentlich nur (vordergründig) ums schnöde Geld geht, dann muss man schon aufpassen, mit wem man sich identifiziert.
Regisseur Spike Lee hat sich des pfiffigen Drehbuchdebüts von Russell Gewirtz angenommen, in dem nichts so ist, wie es scheint. "Inside Man" spielt in New York, der vom Terror geschundenen Großstadt. Das Sinnbild für Reichtum, Verschwendung - und extravaganten Lifestyle.
Direkt aus der Parfümwerbung
Und so wirkt der Obergauner, als wäre er direkt von Dreharbeiten einer Parfüm-Werbung in den Overall geschlüpft um sich etwas dazuzuverdienen, nein, zu stehlen. Dafür zieht er sich eine Art Rollkragen (ohne Pullover) über Kinn und Nase. Und weil das so trendy ist, verpasst er auch gleich seinen Mitstreitern und all den Geiseln diesen todschicken Look. Die Verwirrung ist komplett: Wer ist böse, wer ist harmlos?
Und das Potenzial dieses Geiselkrimis ist tatsächlich vor allem in New York enorm: (Beinahe schon) sympathische Gangster und gewissenhafte Polizisten, die auf der Suche nach dem Sinn des kriminellen Treibens vor allem Kopfarbeit leisten.
Das alles passt in das Bild einer Großstadt, die sich in den vergangenen Jahren zu einer der sichersten Orte in den USA gemausert hat und doch um ihre düstere Vergangenheit weiß.
"Inside Man" zeigt das Aufbäumen zweier Charakterköpfe der US-amerikanischen Filmgeschichte, die endlich einmal wieder einen Publikumserfolg verbuchen müssen, um ihren Marktwert zu erhalten. Spike Lee war nie ein Filmemacher, der für Millionengewinne und Umsatzrekorde an Startwochenenden in den Multiplexen rund um den Globus sorgte. Seine Filme waren fast ausschließlich hoch politisch, immer gesellschaftskritisch, und stets offenbarten sie die schwierige soziale Situation der afroamerikanischen US-Bevölkerung.
Besonnener und intellektueller Cop
Mit "Inside Man" hat er sich nun nicht unbedingt dem Mainstream- und Blockbuster-Kino verschrieben, doch reicht er diesem, den Zirkusbetrieb namens Hollywood am Leben und Laufen haltenden Industriezweig, mit seinem spannungsgeladenen Thriller die Hand.
Sein Hauptdarsteller Denzel Washington spielt die Rolle des Detectives, der den Geiselnehmer unschädlich machen soll, freilich auf seine besonnene, intellektuelle Art. Washington arbeitete bereits mehrere Male mit Lee zusammen, hat aber seit seiner Oscar-prämierten Rolle in "Training Day" mit keinem Projekt wirklich Aufsehen erregt.
Spike Lee erweckt eben jene ruhige und doch energetische, augenzwinkernde und unerbittliche Ausstrahlung Washingtons wieder zum Leben, die Filme wie "Hurricane", oder "Malcolm X" zu Welterfolgen machten.
Demgegenüber stehen zwei Überflieger Hollywoods: Jodie Foster spielt eine Verhandlungsexpertin, die engagiert wird, um ein Geheimnis zu bewahren. Clive Owen darf als gewiefter Verbrecher seinen Plan in die Tat umsetzen.
Angenehm ist die weitgehende Gewaltlosigkeit des Films. Während sich Bruce-Willis-Storys mit Geiselthematik vor allem durch Blei- und Explosionsfülle auszeichnen, zeigt Spike Lee, dass es auch anders geht.
LEIF KRAMP
© SN
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