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In Ang Lees Spielfilm "Brokeback Mountain" dürfen einander zwei homosexuelle Cowboys inmitten einer idyllischen Postkartenlandschaft lieben.
SALZBURG (SN). "Nur" drei Oscars für den großen Favoriten waren letztlich eine Enttäuschung, auch wenn Ang Lee die begehrte Auszeichnung für die beste Regie zugesprochen bekam. Warum aber hätte der Film "Brokeback Mountain", der ab morgen, Donnerstag, in österreichischen Kinos zu sehen ist, mehr abräumen sollen? Die bloße Projektion des Themas Homosexualität ins Westernmilieu stellt keinen triftigen Grund dar, auch nicht aus gesellschaftspolitischer Sicht. Ang Lee verfrachtete das Problem der Diskriminierung gleichgeschlechtlich Liebender doch nur in ein Umfeld, das gesellschaftlich keinerlei Relevanz hat.
Cowboys, wie sie in Romanen, TV-Serien, Werbespots und Filmen inszeniert werden, sind nichts anderes als Kunstfiguren einer industrialisierten Trivialkultur. Diese stilisierte die Proleten der Prärie, vielfach als asozial berüchtigte Hilfsarbeiter und Obdachlose, zum Mythos von Männlichkeit und Freiheit. Damit ließen sich sowohl spannende Geschichten erzählen als auch Zigaretten verkaufen.
Der Western repräsentiert - abgesehen von einigen wenigen realistischen Arbeiten in den 1990er-Jahren - jenes Genre, das mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit in den USA noch weniger zu tun hat als der Science-Fiction-Film. Dieser projizierte zumindest reale Entwicklungen und Probleme in eine ferne Zukunft. Im Western durften hingegen die einsamen Helden geradewegs in den Sonnenuntergang reiten.
Was mag den aus Taiwan stammenden Regisseur Ang Lee bewogen haben, eine große Liebesgeschichte vor dieser Kulisse zu erzählen? Möglicherweise wollte er einen Kontrapunkt zum Eastern "Tiger & Dragon" setzen, in dem er seinen virtuosen Umgang mit Genreversatzstücken bewiesen hat.
Und das macht er auch in "Brokeback Mountain": Jake Gyllenhaal verkörpert den texanischen Rodeoreiter Jack Twist als Schmalspurversion des Marlboro-Man, während Heath Ledger in der Rolle des Ranch-Helfers Ennis Del Mar an die wortkargen Typen erinnert, die das Markenzeichen von Clint Eastwood waren. Beide Figuren geben nach außen hin den Macho und Ang Lee möchte dem Publikum zeigen, wie es im Inneren der Protagonisten aussieht. 1963 lernen Jack und Ennis einander kennen. In der abgeschiedenen Bergwelt von Wyoming verbringen sie einen Sommer damit, eine Schafherde vor Coyoten zu schützen. Irgendwann kommt es zu dem, was nicht sein darf. Nach dem ersten Geschlechtsverkehr beteuern beide, nicht schwul zu sein.
Als sich Jack und Ennis vier Jahre nach dem Sommer am Brokeback Mountain erstmals wieder sehen, sind sie verheiratet und Väter. Allerdings wissen sie inzwischen auch, dass es Liebe ist, was sie verbindet. Diese leben sie künftig im Verborgenen - aus berechtigter Angst vor gesellschaftlichen Repressionen und Ausgrenzung.
Mehr als ein paar Tage pro Jahr zum Angeln in den Bergen bleiben für die Beziehung nicht. Nur in der Einsamkeit der Natur können sich Jack und Ennis auf Zeit ihren Gefühlen hingeben. Ansonsten führt jeder von ihnen ein Doppelleben, das auf die Katastrophe zusteuert.
Ang Lee erzählt eine opulent inszenierte Liebesgeschichte mit faszinierenden Landschaftsbildern (Kamera: Rodrigo Pietro) und einem wirklich guten Soundtrack (Gustavo Santaolalla).
Mit Lagerfeuerromantik, rauchenden Cowboys und kargen Dialogen bedient er auch klassische Westernklischees, mit denen der Regisseur einmal mehr sehr geschickt spielt. Sogar die Fäuste dürfen etliche Male fliegen.
Das Ergebnis ist gutes Unterhaltungskino, aber sicher kein Meisterwerk.
MICHAEL STADLER
© SN
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