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Die Eroberung des Paradieses: Colin Farrell in dem Abenteuerfilm "The New World" von Regielegende Terrence Malick.
Wie schafft man einen Film, der die epochale Bedeutung der Entdeckung Amerikas durch die Europäer adäquat würdigt? Es gibt als Hilfestellung die Legende von Pocahontas, dem Indianermädchen, das sich in einen der europäischen Konquistadoren verliebte. Regie-Phantom Terrence Malick bediente sich gerne dieser wahren Geschichte für seinen erst vierten Kinofilm seit seinem Debüt mit "Badlands" von 1973.
In "The New World" schickt er den irischen Haudegen Colin Farrell als Meuterer auf einem englischen Schiff in Ketten an Land, um ihn dann zum Protagonisten einer Geschichte um Liebe, Verrat und die Verletzlichkeit der Natur zu machen.
Für den aufrührerischen Soldaten ist die Ankunft in vielfachem Sinne ein Neuanfang: Er wird begnadigt und gar mit der Aufgabe betreut, die Mitstreiter zu befehligen - in Abwesenheit des Kapitäns, der für Nahrungsnachschub aus England sorgt.
Als John Smith ist Farrell der einzige Eroberer, der kein Eroberer sein möchte: Im Gegensatz zu seinen Begleitern, die den Eingeborenen nicht nur misstrauisch, sondern auch gewaltbereit begegnen, möchte er in der Neuen Welt Frieden schließen: mit den Fremden, der Natur und mit sich selbst.
Die faszinierende Unberührtheit der Landschaft steht der sich wie eine Seuche ausbreitenden Kultivierung des besiedelten Gebiets durch die Engländer gegenüber.
Dort wächst schnell nichts mehr, das errichtete Holzfort versinkt im Schlamm und die Besatzung droht an Hunger zu sterben.
All das ist Smith zwar höchst zuwider, doch kann er nicht aus seiner Haut: Die Männer wollen geführt, das Land entdeckt werden.
Auf einer Expedition, die flussaufwärts ins Landesinnere führen soll, wo es angeblich eine Stadt der Urbevölkerung geben soll, wird Smith bei einer seiner tagträumerischen Spaziergänge durch das wilde Grün von einem Stamm gefangen genommen und verschleppt. Kurz vor seiner Hinrichtung (er wollte den Häuptling mit einer kleinen Schwarzpulverexplosion beeindrucken) wirft sich ein schönes Mädchen - wie es der Zufall will ist sie eine der Häuptlingstöchter - auf ihn, wahrscheinlich weil er sie ständig mit seinem arglosen Blick fixiert hatte.
Pocahontas und der weiße Fremde
So beginnt die tragische Liebesgeschichte zwischen Pocahontas und dem fremden Weißen aus dem Land hinter dem Wasser, die nur kurz unter einem guten Stern zu stehen scheint.
Terrence Malick hat erneut, wie bei allen seinen Herzensprojekten, nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben. Sein letzter Film, "Der schmale Grat", bei dem er übrigens verfügte, dass nirgendwo ein aktuelles Bild von ihm veröffentlicht werden dürfe, liegt acht Jahre zurück.
Auch "The New World" fordert den Zuschauer. In 135 Minuten schwelgt Malick in Sequenzen purer Glückseligkeit durch die Eintracht zwischen Mensch und Wildnis, verliert sich aber nicht in ihnen. Dazu komponierte James Horner ("Titanic") eine Filmmusik, die trotz ihres harmonischen Klangs durch Mark und Bein geht; denn Malick möchte alles andere als Harmonie abbilden.
LEIF KRAMP
© SN
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