|
Ousmane Sembènes Problemfilm "Moolaadé"
Malerische kleine Hütten auf lehmigem Grund, eine Mutter, die ihr Baby in einer Zinkwanne im Hof badet: In dieser Idylle eines afrikanischen Dorfes konfrontiert Ousmane Sembènes "Moolaadé" mit der Grausamkeit ritueller Genital-Verstümmelungen an Frauen.
Zu Collé (Fatoumata Coulibaly) flüchten vier kleine Mädchen, denen die Beschneidung bevorsteht. Collé hat vor Jahren ihre eigene Tochter hierzu verweigert. Um die Kinder zu schützen, spricht sie das "Moolaadé" aus, ein absolutes Schutzrecht gegen jeden Zugriff in ihrem Wohnbereich. Aber erst durch einen schmerzlichen Akt der Selbstaufopferung zieht Collé das Dorf auf ihre Seite.
Der 82-jährige Senegalese Sembène, als "Vater des afrikanischen Films" gefeiert, braucht keinen erhobenen Zeigefinger oder schockierende Bilder, um die Unmenschlichkeit der Beschneidung in fast dokumentarischen Bildern und einer facettenreichen Geschichte herauszustreichen.
Dass er sich manchmal etwas zu viel Zeit beim Erzählen lässt, stört nur am Rande. Der Klagegesang der Mutter eines verbluteten Opfers bleibt dafür lange im Gedächtnis.
MICHAEL BROMMER
© SN
|