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Der vierte Harry-Potter-Film muss zwar viel aus der Buchvorlage von Joanne K. Rowling kürzen. Den Genuss des Potter-Fans schmälert das aber kaum.
Salzburg (SN). Harry Potter ist in Schwierigkeiten. Er muss nicht nur gegen Drachen, die schuppenhäutigen Bewohner des dunklen Sees nahe der Zaubereischule Hogwarts und seinen Erzfeind Lord Voldemort antreten. Nein, viel schlimmer. Ebenso wie sein Freund Ronald Weasley spürt Harry die Macht der Hormone.
In Joanne K. Rowlings viertem Buch "Harry Potter und der Feuerkelch" muss sich der junge Zauberschüler - gänzlich seinem Alter angemessen - mit dem Älterwerden auseinandersetzen. Und das ist für so manchen 14-Jährigen viel schlimmer, als der Schritt vom 50. zum 51. Lebensjahr. Im Film, der jetzt in den Kinos läuft, kommen diese Nöte noch besser zur Geltung als im Buch.
Weder Harry noch Ron wissen die seltsamen Gefühle zu bändigen, die ihnen plötzlich beim Anblick von hübschen Mädchen durch die Brust schießen. Keiner der beiden ahnt auch nur, wie recht Harry hat, wenn er sagt, er ziehe die Auseinandersetzung mit einem Drachen der Pflicht vor, ein Mädchen zum Schulball einzuladen.
Wie lebensnah diese Irrungen und Wirrungen der pubertierenden Knabenherzen dargestellt sind, lässt sich aus dem wissenden Kichern einer Gruppe von Mädchen im Kinosaal schließen. Harry und Ron müssen lernen zu tanzen und sollen höfliche Konversation machen. Sie sind erstmals verliebt, gehen aber beinahe im Ansturm der Gefühle unter. Es ist schon erstaunlich, dass wir ausgerechnet in einem Film über einen Zauberlehrling, voll der Spezialeffekte, der Computeranimationen und der Fabelwesen, mehr über die Wirklichkeit der Teenager finden als in allen Hollywood-Teenie-Filmen zusammengenommen.
Die Erfahrung mit einem Drachen der Gattung ungarischer Hornschwanz hat Harry da schon hinter sich. Die erste Aufgabe beim "trimagischen Turnier" - dem Drachen ein goldenes Ei zu stehlen - hat er gemeistert.
Schwierige Konfrontationen stehen ihm da noch bevor: Mit dem fiesen Mitschüler Draco Malfoy, mit einem Lehrer, der es nur zum Schein gut mit ihm meint, mit dem Geist der maulenden Myrtel, der als Voyeur mit ihm in die Badewanne steigt, mit einem Labyrinth aus tückischen, wild gewordenen Hecken und schließlich mit Lord Voldemort, zu dessen Wiedergeburt Harry selbst ein paar Tropfen Blut beisteuern muss.
Freilich muss der Film aus der Romanvorlage viele Facetten herausschneiden, die dem eingefleischten Potter-Fan fehlen mögen. Das entscheidende Match bei der Quidditch-Weltmeisterschaft oder die neuerliche Auseinandersetzung Harrys mit seinen ungustiösen Verwandten, den Dursleys. Doch immerhin mussten knapp 700 Buchseiten Handlung auf knapp drei Stunden Film eingedampft werden.
Die zentralen Figuren reifen nicht nur im Film, sondern auch im wirklichen Leben. Damit gelingt es den Potter-Filmen, Kontinuität und Entwicklung sichtbar zu machen. Am Anfang hatten Daniel Radcliffe (Harry Potter), Rupert Grind (Ron Weasley) und Emma Watson (Hermine Granger) noch wie Kinder gewirkt, die eingelernte Texte aufsagen und sich um Spiel bemühen. Jetzt zeigen sie viel Talent und auch schon schauspielerisches Können.
Die Besetzung selbst von kleinen Hauptrollen oder Nebenrollen mit namhaften Schauspielern steigert das Vergnügen für den Zuschauer. Ralph Fiennes hat im "Feuerkelch" zwar nur einen kurzen Auftritt, sein Mitwirken ist aber doch ein Versprechen für künftige Potter-Filme, in denen der Bösewicht Lord Voldemort einen dominanten Platz einnehmen wird.
Spannender Spaß für jede Altersgruppe
Der neue Film verursacht so manche Gänsehaut. Zeitweise hält der Atem an wegen der Spannung der Handlung, dazwischen gibt es Anlass zum Schmunzeln und für schallendes Gelächter. So wie bei den Büchern reicht die Fangemeinde deshalb durch alle Altersgruppen von zehn bis 80 und darüber hinaus.
Verblüffend ist auch, wie sehr Harry Potter es schafft, seine Gemeinde bei der Stange zu halten. Selbst wer mit zwölf mit glühenden Ohren begonnen hat, die Bücher zu lesen, steht als mittlerweile fast 18-Jähriger, der schon ziemlich erwachsen tut, noch bei jedem neuen Potter-Band und bei jedem neuen Potter-Film ganz vorn in der Buchhandlung und ganz vorn an der Kinokasse.
Viktor Hermann
© SN
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