|
Cameron Crowe auf den Spuren von Billy Wilder
Als Jack Lemmon in Billy Wilders „Das Apartment“ (1960) als schusseliger, gutherziger Wohnungsmieter auftrat, offenbarte sich sein Talent, Komik und Tragik gleichermaßen, in ein und derselben Szene, auszudrücken. Das Wechselbad der Gefühle, das dieser große Komödiant seinem Publikum bescherte, war das erklärte Vorbild für Cameron Crowes neuen Film „Elizabethtown“.
Der junge Hollywoodstar Orlando Bloom, der bisher eher in Filmen auffiel, die zu 90 Prozent aus spektakulären Schlachten bestanden („Troja“, „Herr der Ringe“, „Königreich der Himmel“), soll sich „Das Apartment“ auf Weisung von Crowe mehrmals angesehen haben, um Lemmons Spiel zu durchschauen.
Ganz ist ihm das nicht gelungen. Die Performance des jungen Briten ist zu flach, was aber auch an der Unausgegorenheit des Drehbuchs liegen mag. Bloom spielt den jungen Schuhdesigner Drew, der einen Sportschuh entwickelt hat, der zum Millionenflop wurde. Also wird Drew entlassen (köstlich als Firmenboss: Alec Baldwin) und ist am Ende seiner Kräfte. Nach einem verunglückten Selbstmordversuch erfährt er vom plötzlichen Tod seines Vaters und begibt sich zu dessen Begräbnis in die amerikanische Provinz, wo die Uhren noch anders ticken als in den großen Städten. Unterwegs lernt er die anhängliche Stewardess Claire (Kirsten Dunst) kennen, die ihn ordentlich durcheinander bringt.
Und schließlich steuert der traurig-komische Inhalt von „Elizabethtown“ auf seine Auflösung zu: Aus einem jungen Verlierer wird einer, der ein neues Leben vor sich hat. Einer, der von den Toten aufersteht.
Cameron Crowe, der bisher durch Filme wie „Almost Famous“ (2000) oder „Vanilla Sky“ (2001) zu den vielversprechendsten Drehbuchautoren und Filmregisseuren in den USA zählte und dessen Vorliebe für das Werk von Billy Wilder bekannt ist (er veröffentlichte 1999 ein Interviewbuch mit Wilder), hat sich bei „Elizabethtown“ ein wenig übernommen. Crowe kann die Geschichte leider nicht über die gesamte Distanz spannend erzählen, nur hie und da blitzt seine Fähigkeit auf, wirklich gut konstruierte, durchdachte Szenen zu schreiben.
So lebt „Elizabethtown“ von wenigen Höhepunkten, dazwischen mutet die Konstruktion ein bisschen an wie Stückwerk. Spaß macht der Film trotzdem. Denn die Erzählweise von Cameron Crowe, der als ehemaliger Redakteur der Musikzeitschrift „Rolling Stone“ besonderen Wert auf wuchtige 70er-Jahre-Soundtracks legt, bewegt durch den gefühlvollen Bilderrhythmus ebenso wie durch die teils zynischen, überwiegend aber heiteren Dialoge.
Matthias Greuling
|