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David Cronenbergs "A History of Violence" als Mixtur aus Western und Suspense-Thriller
Irgendwo zwischen Hitchcock und John Ford, inmitten einer idyllischen Kleinstadt in den USA, sucht sich David Cronenbergs neuer Film "A History of Violence" seinen Platz. Ein bisschen Spannung und die Ausgangslage, dass der Held dieser Geschichte scheinbar unschuldig in verbrecherische Umstände gelangt, erinnern sehr an Alfred Hitchcock. John Fords Western zollt der Umstand Tribut, dass hier, irgendwo auf dem Land, fernab der Großstädte, der "Wilde Westen" noch immer nicht tot zu sein scheint. Oder zumindest die Mentalität der Selbstjustiz.
Tom Stall (Viggo Mortensen) ist ein braver Bürger mit eigener Familie und einer kleinen Bar. Eines Tages tauchen zwei bewaffnete Gauner auf. Anstatt in Deckung zu gehen, zückt der tapfere Tom sein Schießeisen und streckt die beiden gekonnt professionell nieder.
Sein Doppelmord in Notwehr wird zur Heldentat hochstilisiert, die lokalen Medien machen ihn zu einem jener Helden, die Amerika so gerne sieht: Unerschrocken gegen das Böse anzukämpfen, selbstlos mit dem eigenen Leben spielen, um die amerikanischen Werte von Freiheit und Gerechtigkeit durchzusetzen.
Der Neo-Medienstar Tom wird bald auf den Boden der Realität zurückgeholt. Als sich wieder Gangster in seiner Bar blicken lassen (einer davon: Ed Harris) und ihn bezichtigen, unter einer falschen Identität zu leben, wendet sich das Blatt. Toms Vergangenheit, von der er offenbar selbst nichts weiß, beginnt ihn einzuholen. Seine Familie wird terrorisiert, seine Weltsicht zerstört, seine Geschichte offenbart. Die Fassade bröckelt, denn der Held ist nicht der, der er zu sein vorgibt.
Die Grundlage für David Cronenbergs neuen Film bildet eine so genannte "Graphic Novel" - das sind Comics für Erwachsene, die nicht selten blutrünstig und brutal sind.
Nach "Dead Zone", "M. Butterfly" und "Spider" verfilmte Cronenberg damit wieder einmal ein fremdes Skript (Autor: Josh Olson), dessen Handlung sich als zugänglicher erweist als bei älteren Cronenberg-Filmen. "A History of Violence" manövriert gekonnt zwischen den Genres Western und Suspense-Thriller hin und her und überschreitet die Genregrenzen mühelos.
Zwischen den Zeilen dieses verstörenden Films lässt sich Sozialkritik ausmachen. Auch Cronenbergs Doppelbödigkeit, von früher bekannt, findet sich in dem Gefühlscocktail aus Angst, Grauen und komischen Elementen.
Matthias Greuling
© SN
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