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Valeria Bruni-Tedeschi in der Komödie "Meeresfrüchte" von Olivier Ducastel
Das Haus ist schön, die Sonne scheint, der Sohn ist schwul - wo ist das Problem? Entwaffnend, wie locker Beatrice mit der neuen innerfamiliären Erkenntnis umgeht. Aber sie ist eben nicht Französin, sie ist in den Niederlanden aufgewachsen. Von der dort praktizierten Toleranz ist ihr Mann Marc weit entfernt. Und doch versucht er mitzuhalten mit dem leichten südfranzösischen Urlaubsleben seiner Familie - wenn nicht gerade der Kleinbürger aus ihm hervorbricht.
Dann schütteln alle den Kopf, nur seine Frau, die Toleranz in Person, beschwichtigt: "Du bist nicht lächerlich - nur ein richtiger Vater."
Es dauert ein wenig, bis "Meeresfrüchte" von Olivier Ducastel in Fahrt kommt. Und so richtig turbulent wird sie gar nicht, obwohl die Voraussetzungen gut stünden.
Schließlich taucht Mathieu, Beatrices Freund, auf. Es ist nicht gut, den (Seitensprung-)Alltag hinüberzutragen in die Ferien, befindet die angenehm überraschte Beatrice keck: "Ich suche eine Lösung, aus Dir einen Ferienliebhaber zu machen." Der lauert dann, gelegentlich spärlich bekleidet, aber immer mit französischem Käppi auf der Glatze, hinter Gartensträuchern auf günstige erotische Momente.
Hat man Filme nach diesem Strickmuster nicht schon zu Dutzenden gesehen? Was gleich auffällt, ist die sorgsame Dramaturgie, sind die zum Aphorismus zurecht geschliffenen Dialoge.
Sommerfantasien werden ausgelebt
Jede Szene steuert auf einen kleine, oft unterschwellig servierte Pointe zu. Und die Handlung insgesamt nimmt mehrmals unvermutete Wendungen. Offenbar sind die Austern das einschlägig Anregendste auf dem Teller mit Meeresfrüchten. Die "Violets" tun ihre Wirkung. Das Ausleben der erwachenden Sommergelüste freilich stößt in der, wie es einmal heißt "ein wenig heiklen" Familiensituation auf Schwierigkeiten.
Valeria Bruni-Tedeschi ist Beatrice, ein romantisch angehauchter Wirbelwind mit Mädchencharme. Aber kommt ihr Mann Marc (Gilbert Melki) nicht viel ins Träumen an diesem schönen Flecken Erde? Wir erfahren schließlich auch, warum. Mit Klischees geizt der Regisseur nicht, aber er serviert sie mit Augenzwinkern. Und wie er all die komplizierten Verwicklungen doch noch zu einem, für alle, guten Ende bringt, ist eine Pointe für sich. Reinhard Kriechbaum
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
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