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Christian Alvarts Versuch eines deutschen Thrillers
Ein Thriller, der mit einer Dostojewski-Zeile („Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt“) beginnt und mit einem Psalm aus dem Alten Testament endet, suggeriert höheren Anspruch. Diesen erfüllt der deutsche Filmemacher Christian Alvart in seinem Streifen „Antikörper“ jedoch nur bedingt. Der junge Regisseur („Curiosity & The Cat“) lebt vielmehr seine Lust am Zitat und an Genre-Versatzstücken aus. Das Spektrum reicht dabei vom „Tatort“ bis hin zum Klassiker „Das Schweigen der Lämmer“.
„Hast du Hannibal Lecter erwartet?“ – Mit diesen Worten begrüßt der Serienkiller Gabriel Engel (André Hennicke) den Dorfpolizisten Michael Martens (Wotan Wilke Möhring). Kurz zuvor war der psychopathische Mörder der Berliner Polizei ins Netz gegangen. Für die Kripo ist klar, mit der Verhaftung alle 12 Sexualmorde an Kindern geklärt zu haben. Der Halbtagspolizist aus der Provinz hat jedoch seine Zweifel. Lucia, das Opfer aus seinem Dorf, ist nämlich das einzige Mädchen unter den Toten. Ansonsten hat Engel nur Buben missbraucht und bestialisch getötet . . .
Noch im Gefängnis hält der Serienkiller die Fäden in der Hand, degradiert die ihn verhörenden Polizisten zu seinen Marionetten und inszeniert mit ihnen sein mörderisches Spiel weiter. Nach dem Vorbild von Clarice Sterling und Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ zwingt der Psychopath den Bullen, die dunklen Seiten der eigenen Seele zu erkennen. Für den Prototypen eines „Gutmenschen“ wie Michael Martens erweist sich das Virus des Bösen als besonders schmerzlich.
„Antikörper“ ist ein solide in Szene gesetzter, technisch und visuell ansprechender Thriller. Seine Schwächen liegen in der aus der Balance geratenen Dramaturgie der Erzählung. Die Handlung wirkt vielfach konstruiert. Und das zehrt an der Spannung.
MICHAEL STADLER
© SN
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