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Der Episodenfilm "L. A. Crash" verknüpft Einzelschicksale in Los Angeles - und zerstört dabei das Bild vom perfekten, freien Amerika.
Selten kommt es vor, dass das Hollywood-Kino auf seine großen Lügen und Vorspiegelungen verzichtet, durch die es zu ebenjenem traumhaften Ort geworden ist, der vielen Menschen so erstrebenswert erscheint. Los Angeles im Leinwandformat - das ist meist eine perfekte Welt, in der alle Menschen jung, schön, reich, berühmt und erfolgreich sind. Auf so eine Täuschung lässt sich der Film "L. A. Crash" von Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis nicht ein.
In seinem Episodenfilm verzichtet der Regisseur (er schrieb auch das Drehbuch zu "Million Dollar Baby") zwar nicht auf gängige Inszenierungsmuster und den Druck auf die Tränendrüse, entwirft aber ein Gegenbild zum Klischee vom freien Amerika.
Die Geschichten verschiedener Menschen erzählt Haggis rund um einen Autounfall in Los Angeles. Zwei Schwarze, die sich lautstark über den vorherrschenden Rassismus beklagen, überfallen nur wenige Augenblicke später ein reiches (weißes) Pärchen (Brendan Fraser und Sandra Bullock) und klauen ihren Wagen. Ein paar Straßen weiter schikaniert ein weißer Polizist (grandios: Matt Dillon) einen schwarzen TV-Regisseur, indem er bei einer Routinekontrolle dessen Frau begrapscht. In einem anderen Stadtteil gerät ein iranischer Ladenbesitzer in Rage, als in sein Geschäft eingebrochen wird: Für ihn ist der Mann vom Schlüsseldienst, ein Mexikaner, der Schuldige. Ein junger Cop (Ryan Phillippe) wiederum muss lernen, dass man ohne rassistische Gefühle in L. A. bei der Polizei fehl am Platz ist. Jeder der Protagonisten schleppt seine Vorurteile gegen die anderen mit sich herum - Rassismus hat in "L. A. Crash" keine eindeutige Hautfarbe.
Haggis schildert die Schattenseiten der Megacity Los Angeles. Seine Figuren zeichnet der Regisseur als zutiefst unterschiedliche und ambivalente Charaktere, bei denen es niemals nur Gut oder Böse gibt. Allen gemeinsam ist, dass sie im Leben ständig scheitern - und dieses Scheitern ist der Motor ihrer Handlungen.
"L. A. Crash" ist ein brutaler Film; nicht nur wegen der Darstellung von Gewalt, sondern vor allem deshalb, weil er radikal mit einem Amerikabild aufräumt, das seit jeher eigentlich nur in der Vorstellung der Kinokonsumenten existiert hat.
MATTHIAS GREULING
© SN
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