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Angelina Jolie und Brad Pitt kommen einan-der als "Mr. und Mrs. Smith" in Doug Limans Thriller in mehrfacher Hinsicht gefährlich nahe.
Er klingt leicht beschwipst, so als ob er ein Dauergrinsen nur schwer unterdrücken könne: Arnon Milchan, Produzent von "Mr. & Mrs. Smith", wenn er in breitem Slang in alle Mikrofone ruft: "Angie und Brad haben sich so gut verstanden, sie sind der Grund, warum der Film funktioniert - die Chemie zwischen den beiden ist spektakulär." Angesichts des Spektakels, das die bunten Blätter um die angebliche Liaison seiner Hauptdarsteller Brad Pitt und Angelina Jolie veranstalten, ist das Grinsen verständlich.
Möchte noch jemand wissen, wie der Film eigentlich ist, oder reicht es zu wiederholen, dass "Brad und Angie" in weißer Unterwäsche aufeinander schießen und dabei unverschämt gut aussehen?
Schießen statt zu singen
Um die Marketingmaschine am Laufen zu halten, genügt der Klatsch - der Film allerdings hat eine genauere Betrachtung verdient und muss sie auch nicht fürchten.
"Mr. & Mrs. Smith" von Doug Liman ("The Bourne Identity") ist der witzigste Actionfilm der Saison mit einem ungemein mitreißenden Rhythmus. Von der Struktur her gleicht er einem Musical. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Protagonisten an den entscheidenden Stellen nicht singen, sondern schießen.
Schon die Sequenz ihrer ersten Begegnung gibt den Takt vor: In einer hinreißenden Szene, mit südamerikanischer Musik unterlegt, lernen Mr. und Mrs. Smith sich kennen, sie umkreisen einander, ihre Bewegungen gleichen Tanzschritten, ihre Leidenschaft ist entfacht. Cut.
Wir sehen das Paar einige Jahre später auf der Couch eines Eheberaters. "Wie häufig hatten Sie diese Woche Sex?", verlegenes Schweigen und die zögernde Nachfrage "Das Wochenende eingeschlossen?".
Nach dem lodernden Feuer kalter Beziehungsalltag. Nach außen hin besteht der Clou darin, dass ausgerechnet die Hollywood-Beaus Angelina Jolie und Brad Pitt "Herrn und Frau Schmidt" spielen - also ein stinknormales Paar mit Allerweltssorgen. Von der Story her betrachtet liegt der Kniff eher darin, dass die beiden Vorstadtlangweiler mit Libidoproblemen ein Doppelleben führen.
Abends gepflegtes Dinner und die Frage "Na, Schatz, wie war Dein Tag", am nächsten Morgen folgt dann die Verwandlung zu Profikillern. Ohne, dass der andere etwas davon merkt, verdienen die Smiths ihr Geld damit, anderen Leuten den Hals umzudrehen.
Waffenversteck hinter dem Herd
Offensichtlich kann auch das ein ruhiger Job sein, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich gegenseitig ans Schlafittchen sollen. Mrs. Smith greift zu ihrem Waffenversteck hinterm Herd, um ihren Mann zu meucheln, der wiederum steigt in den Bastelkeller, um die Pumpgun zu laden und seine Liebste zu durchlöchern.
In der ersten Hälfte dieses Ehe-Action-Stücks überwiegt die Komik, die beiden bei tödlich langweiligen Diskussionen über Vorhangfarben zu beobachten, in der zweiten Hälfte wird vor allem die Leinwand durchsiebt.
In perfekt choreografierten, langandauernden Sequenzen liefern sie einander eine Schlacht nach der anderen. Sie hetzen sich in Verfolgungsjagden mit dem Auto, zertrümmern gemeinsam das Mobiliar ihres trauten Heims, lauern einander auf und haben dabei immer die Waffe im Anschlag. Ein ganz normaler Ehealltag, nur eben etwas hochgerüstet.
Regisseur Doug Liman kann sicher sein: Für Herrn und Frau Müller hat ein Kinobesuch dieser Beziehungs-Action-Komödie hohen Unterhaltungswert und womöglich einen läuternden Effekt.
SANDRA VOGELL
© SN
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