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Ein Film, der nicht hält, was sein Titel verspricht: Die "Fantastic Four" sind auf der Leinwand nur Mittelmaß. Hollywood feiert sie dennoch als Retter aus der Kinokrise.
HAMBURG (SN). Dumm für einen Film, wenn er im Titel das Wort "fantastic" trägt und dann alles andere als fantastisch ist. In den USA haben Kinokritiker diese Steilvorlage dankbar aufgegriffen und genüsslich jeden nahe liegenden Wortwitz gerissen, der einem so einfällt - das Publikum jedoch ruft ganz bodenständig "super" und hievt "Fantastic Four" an die Spitze der Kinocharts.
Die neueste Verfilmung einer Comicreihe aus dem Hause Marvel (das ist der Verlag, der auch "Spider-Man" und "X-Men" herausgibt) kann sich damit brüsten, den drittstärksten US-Kinostart des Jahres hingelegt zu haben - nach "Star Wars - Rache der Sith" und "Krieg der Welten". Die Comicgemeinde ist offensichtlich ganz wild darauf, ihre Helden auf der großen Leinwand zu sehen. Für Nichteingeweihte: Im Fall der "Fantastic Four", die ab heute, Donnerstag, über österreichische Kinoleinwände flitzen, haben wir es mit einer ganzen Familie von Superhelden zu tun. Sue Storm (Jessica Alba) kann sich unsichtbar machen, ihr Bruder Johnny (Chris Evans) fliegt als menschliche Fackel durch die Lüfte, Ben Grimm (Michael Chiklis) ist ein übermenschlich starker Kerl aus Stein und Reed Richards (Ioan Gruffudd) hat die Dehnbarkeit eines Gummimenschen.Ein Ausflug ins All bringt übermenschliche Kräfte Allerdings haben die vier ihre fantastischen Fähigkeiten nicht mit der Muttermilch aufgesogen, sondern erst auf einem Ausflug ins All gewonnen. Ähnlich wie es derzeit auch "Batman begins" tut, erzählt der Film die Vorgeschichte der Superhelden - und das in einem super-zähen ersten Akt. Erst heben die vier Protagonisten in den Weltraum ab, dort geraten sie in einen kosmischen Sturm, fliegen zurück zur Erde, wundern sich, dass sie ihr Abenteuer schadlos überstanden haben und spüren allmählich, dass ihre Körper sich merkwürdig verändern.
Der große Popcorn-Eimer ist leer gegessen, bis Sue Storm zum ersten Mal unsichtbar wird, Johnny sich darüber freut, mit einem Fingerschnippen Feuer zu schüren und Ben zum steinernen Muskelberg mutiert. Bernd Eichinger, der mit dem erfolgreichen US-Start seine Rolle als Superheld unter den deutschen Produzenten unterstreicht, betont, dass die Verfilmung von "Fantastic Four" so lange auf sich warten ließ, weil die Special-Effects-Technologie erst jetzt reif war für eine wirksame Kinoadaption. Klingt gut. Nur sieht man davon wenig.
Wenn Mr. Fantastic seine Dehnbarkeit entdeckt und einen Arm unter dem Türschlitz durchschiebt, um von innen eine Klinke zu öffnen, dann wirkt das wie ein Streich in einem "Fünf Freunde"-Roman. Aufregende Leinwand-Action sieht anders aus. Erst im dritten Akt ahnt man, dass diese Vier für fantastische Unterhaltung sorgen könnten, wenn die Autoren kreativer mit den Fähigkeiten der Helden spielen würden. Es steckt viel Witz in den Figuren, ein Potenzial, das die Produzenten nutzen könnten, um ein jüngeres Publikum anzusprechen.
"Batman" ist gerade als düsterer Comicdämon für Erwachsene neu erfunden worden, "Sin City" ist eine Comicadaption für Ästheten, "Fantastic Four" könnte ein Dauerbrenner für 14- bis 20-Jährige werden. Damit das gelingt, muss diesem fantasielosen Pilotfilm aber ein fantastisches Sequel folgen.
Daten & Fakten Helden an der Kinokasse Vor wenigen Wochen herrschte in den Hollywoodkinos noch Krisenstimmung: Selbst Steven Spielbergs programmierter Kassenschlager "Krieg der Welten" konnte nicht verhindern, dass die Ticketverkäufe an den Kinokassen mehr als zu wünschen übrig ließen. An dem Wochenende rund um den "Independence Day" (4. Juli), das traditionell für Kassenrekorde gut ist, blieben die zwölf besten Filme heuer um 25 Prozent hinter den Einspielergebnissen des Vorjahres zurück.
Bernd Eichingers Blockbuster "Fantastic Four" kam da gerade recht: Hollywoods Buchhalter konnten aufatmen. Die Filmadaption der weltbekannten Comicserie spielte nach Studioangaben in den US-Kinos von Freitag bis Sonntag 56 Millionen Dollar ein (knapp 47 Millionen Euro). Vor allem dadurch verbuchte die US-Kinobranche zum ersten Mal seit langem wieder einen Umsatz, der höher war als am vergleichbaren Wochenende des Vorjahres. Steven Spielberg und Tom Cruise rutschten mit ihrem "Krieg der Welten" auf Rang zwei ab, gefolgt von "Batman Begins".
Das Gesamtergebnis der zwölf Top-Filme lag bei 141 Millionen Dollar - gut zwei Prozent über dem entsprechenden Juliwochenende 2004. 19 Wochenenden lang hatte Hollywood ohne Unterbrechung weniger eingenommen als jeweils im vergangenen Jahr. SN, dpa
SANDRA VOGELL
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