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"Der Keim des Lebens ist nicht komisch, er ist tragisch." - Mit diesem Statement eröffnet Woody Allen den Film "Melinda und Melinda".
Ausgangspunkt für den neuen Streifen des New Yorker Regisseurs ist die Kontroverse zweier Autoren, die in einem Bistro diskutieren, ob nun in der Komödie oder in der Tragödie die "tiefere Realität" zu suchen sei. Aus dem Stegreif entwerfen sie folgende Geschichte: Eine Frau platzt in ein privates Essen, das für die Gastgeber aus beruflichen Gründen sehr wichtig ist. Der ungebetene Gast wirbelt nicht nur die abendliche Runde gehörig durcheinander, sondern in Folge auch das Gefühlsleben und die Beziehungen der handelnden Personen.
Der eine Autor erzählt den Vorfall aus komödiantischer Perspektive, während sein Kollege die Handlung aus tragischem Blickwinkel fortspinnt. Nahtlos blendet Woody Allen vom Tisch der beiden in das eigentliche Geschehen hinein, wobei er zwei Geschichten ineinander verschachtelt: die Tragödie und die Komödie. In beiden verkörpert Radha Mitchell die Hauptrolle. Einmal gibt sie Melinda als selbstzerstörerische, von Medikamenten abhängige Frau, einmal als neurotische Kunsthistorikerin, die mit Schlaftabletten voll gepumpt bei der Dinnerparty auftaucht. Das übrige Personal der beiden Geschichten ist unterschiedlich, wenngleich die Konstellationen einander ähneln. In der komödiantischen Version setzt eine Filmemacherin auf das Abendessen, um Geld für ihr nächstes Projekt aufzutreiben. In der tragisch angelegten Handlung möchte die Gastgeberin den Abend in privatem Rahmen nutzen, um ihrem Ehemann eine Filmrolle zu verschaffen. Auf beiden Ebenen kommen die handelnden Personen überein, dass es für Melinda das Beste sei, in einer neuen Beziehung Halt zu finden. Die folgenden Verkuppelungsversuche bringen jedoch nicht das gewünschte Ergebnis. Ganz im Gegenteil, es kommt ganz anders...
Geschickt findet Woody Allen Anknüpfungspunkte, die beide Geschichten miteinander verbinden. Das Ergebnis ist ein intelligenter Streifen, der allerdings das Potenzial der Grundidee nicht ganz auszuschöpfen vermag. Lange Zeit hat es den Anschein, als würde es Allen gelingen, in seinem Film die Grenzen zwischen Komödie und Tragödie zu Fall zu bringen. Dazu kommt es letztlich doch nicht. Und offen bleibt auch die Frage, in welchem Genre nun die "tiefere Realität" steckt.
MICHAEL STADLER
© SN
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