|
Der Spielfilm „Antares“ des österreichischen Regisseurs Götz Spielmann
Ein nächtlicher Crash steht am Beginn. Fotos von Sexspielen tauchen auf. Es dauert geraume Zeit, bis der Zuschauer hinter mehrere Handlungsstränge blickt und erkennt, dass da Geschichten, neben- und übereinander laufen bis zu dem Punkt, an dem ganz unterschiedliche Protagonisten an einem Ort zusammenkommen.
Mehrere komplizierte, leidenschaftlich-verquere Liebesgeschichten als eine Parabel für die Kompliziertheit menschlicher Bindungen – diese Erzähltechnik ist so originell nicht. Tatsächlich gewinnt man von Götz Spielmanns Film „Antares“ keineswegs den Eindruck sensationeller cineastischer Innovation. Eher schon lässt der Film erkennen, dass da ein Regisseur besessen einer fixen Erzählidee folgt.
Was zieht Eva, Krankenschwester, Mutter, gutbürgerlich verheiratet, zu dem ungarischen Arzt Tomasz hin? Was motiviert sie zu wortlosen Sexspielen mit dem Fremden? Was lässt Sonja, die Supermarkt-Kassiererin, so hilflos bis zur Selbstverleugnung an Marco, einem jungen Jugoslawen, kleben? Sie weiß sehr gut, dass da noch eine andere Frau ist. Diese andere ist die Exfrau von Alex, einem randalierenden Proleten. Alex versucht Versöhnung um jeden Preis – auch um den von körperlicher Gewalt.
„Antares“ ist ein Doppelstern. Er strahlt und wird bald als Supernova explodieren – Zweisamkeit mit Ablaufdatum, so wie in jeder der Beziehungen. Götz Spielmann musste für seinen im Detail durchaus irritierenden Film nicht ins All schauen. Im Wesentlichen spielt „Antares“ in Plattenbeton-Wohnbunkern. „Die Liebe ist keine Illusion, sondern eine Utopie“ hat der Regisseur in einem Interview gesagt. Also hoffen – aber worauf? Nach dem nächtlichen Crash, ist zu befürchten, wird es auch nicht anders weitergehen.
REINHARD KRIECHBAUM
|