|
Kevin Bacon ist "The Woodsman", ein subtiler Problemfilm von Nicole Kassell
Kevin Bacon kann beides: In den großen Blockbustern mitspielen ("Apollo 13", "Hollow Man") und gleichzeitig die Problemfiguren in den schweren Dramen verkörpern ("Sleepers", "Mystic River"). Unbeeindruckt davon, dass ihn Hollywood und die Filmkritik eher selten ausreichend würdigen, hat sich der 47-Jährige wieder dem harten Stoff zugewandt und dadurch ein Tabuthema intensiv, glaubwürdig und unaffektiert in den Mittelpunkt eines Spielfilms gerückt.
In "The Woodsman" spielt Bacon den unauffälligen Walter, der nach zwölf Jahren Gefängnis wegen Kindesmissbrauchs entlassen wird.
Niemand weiß von seiner Neigung. Nicht die Fabrikangestellten in seiner neuen Arbeitsstelle und auch nicht Kollegin Vickie (gespielt von Bacons Ehefrau Kyra Sedgwick), die sich in ihn verliebt.
Das aber ändert sich im Laufe der Geschichte: Genauso wenig machen es ihm die Umstände leicht: Da ist der Spielplatz vor seinem Fenster. Er beobachtet einen fremden Päderasten, der kleinen Jungs auflauert. Und es gibt ein blondes Mädchen, das ihm so gut gefällt.
Das Debüt des New Yorker Filmhochschulabsolventen Nicole Kassell hat weder mit Sensationsgier noch mit moralischem Zeigefinger zu tun. "The Woodsman" ist ein ruhiger und auf Festivals mehrfach gekrönter Nischenfilm, der ein heikles Thema gekonnt und bedacht behandelt und dank Kevin Bacon funktioniert.
DANIEL RONEL
© SN
|