|
Der dunkelste amerikanische Superheld feiert seine Auferstehung: "Batman Begins", ab heute, Freitag, im Kino, schildert die Geburt dieser tragischen Figur.
WIEN (SN). Vor acht Jahren sollte ein Mann namens Mr. Freeze die Einwohner von Gotham City das Fürchten lehren - doch er wurde zur Witzfigur. In seinem Kostüm steckte ein lächerlich blau geschminkter Arnold Schwarzenegger, der wie eh und je hölzerne Einzeiler von sich gab. Ihm jagte ein nicht minder lächerlicher George Clooney im Batman-Kostüm hinterher - und die Fans der vorangegangenen drei Batman-Filme fühlten sich ob der knallbunten Zuckerlatmosphäre fast in die 60er Jahre zurückversetzt, als Adam West und Burt Ward als Batman & Robin in einer TV-Serie ihre Gegner vermöbelten - unterlegt mit vielen Pow!s und Wow!s.
Mit "Batman Begins", dem fünften Film der Batman-Reihe, gehören diese Bonbonfarben der Vergangenheit an: Nach den Flops von "Batman und Robin" (1997) sowie "Batman Forever" (1995) kehrt mit "Batman Begins" heute, Freitag, der Mythos der Figur auf die Leinwand zurück, den der Comiczeichner Bob Kane 1939 erschaffen hatte. Kane schuf Batman als Gegenpart zu Superman, der ein Jahr früher die Welt der Superhelden betreten hatte. Während dieser übermenschliche Kräfte besaß und im Flug ganze Autos und Eisenbahnen stoppen konnte, war Batman allein auf seine menschlichen (körperlichen) Kräfte beschränkt. Batman ist der einzige Superheld, der allein mit Manneskraft und Willensstärke auskommt. Für seine Fans macht ihn diese Eigenschaft besonders interessant: Batman, ein Held, mit dem man sich identifizieren kann.
Für "Batman Begins" engagierte man mit Regisseur Christopher Nolan ("Memento") einen Spezialisten für düstere, außergewöhnlich gestrickte Geschichten. Christian Bale, der kurz zuvor als abgemagerter Fabriksarbeiter in "Der Maschinist" zu sehen war, musste 40 Kilo an Muskelmasse zunehmen, um überzeugend den Millionärssohn Bruce Wayne darstellen zu können, aus dem schließlich Batman, der dunkle Ritter, wird.
Bislang glänzten "Batman"-Verfilmungen durch ihre aufwändigen Spezialeffekte und die schrillen Gegner des Helden - sei es nun der verrückte "Joker" (1989 in Tim Burtons hervorragendem "Batman" von Jack Nicholson dargestellt) oder Catwoman (1992 in "Batmans Rückkehr" von Michelle Pfeiffer sehr erotisch angelegt). In der neuen Verfilmung setzten die Macher mehr auf die Psychologie des Helden und jenen Angstfaktor, den Batmans Erscheinung ausmacht. "Hier geht es nicht um Effekte, hier geht es um die Wandlung eines Charakters", beschreibt Regisseur Nolan seine Herangehensweise. "Wir haben versucht, so viele Szenen wie möglich vor echten Kulissen zu drehen und auf computergenerierte Hintergründe zu verzichten - die Effekte sollen nicht von der wahren Geschichte ablenken."
Das oberste Ziel: "Batman/Bruce Wayne ist eine gebrochene Figur", sagt Christian Bale. "Er bleibt im Schatten, operiert mit Angst und es besteht die Gefahr, dass er aus seiner Wut über den Tod seiner Eltern zu weit geht. Das ist sein innerer Konflikt. Batman ist kein glänzender Held."
KRITIK Die Angst als Waffe Wie kämpft ein Mann mit dem Tod seiner Eltern, die ermordet wurden, als er noch ein kleiner Junge war? Unter einer enormen psychischen Belastung, gequält von Angst und Schuldgefühlen, Rachegedanken und Wut, entwickelt sich der Millionärssohn Bruce Wayne (Christian Bale) in eine nächtlich agierende Kampfmaschine, deren Waffe in erster Linie die Furcht einflößende Wirkung ihrer Erscheinung ist, und erst in zweiter Linie die Gewalt."Batman Begins" widmet sich diesem Prozess: Wayne wird nach einem Theaterbesuch zur Vollwaise, weil seine Eltern von einem Straßenräuber brutal erschossen werden. Als aus dem Knaben ein Mann wird, beschließt er, sein Leben dem Kampf gegen das Verbrechen zu widmen. Seine Kampfausbildung bestreitet er im Himalaya-Gebirge, wo ihn der undurchsichtige Henri Ducard (Liam Neeson) und Ra's Al Ghul (Ken Watanabe) lehren, Angst als Mittel im Kampf einzusetzen.
Zurück in Gotham City sind es schließlich die Fledermäuse in den Höhlen unterhalb seines Landsitzes Wayne Manor, die Bruce Wayne auf die Idee zu seinem Fledermauskostüm bringen. Batman zieht in den Kampf: zunächst gegen die Mafiosi seiner Heimatstadt, dann gegen immer größere und gemeinere Gegner wie den verrückten Psychiater "Scarecrow" (Cillian Murphy), der nicht nur Waynes Jugendfreundin (Katie Holmes) bedroht. Am Ende kämpft Batman auch gegen jene, die ihn einst zur Kampfmaschine ausgebildet haben.
"Batman Begins" verabschiedet sich vom Zuckerlrosa früherer Batman-Adaptionen und rückt den dunklen Ritter endlich in jenen Schatten, den sein Erfinder Bob Kane für ihn ersonnen hatte - und der 1986 durch die legendäre Graphic Novel "Die Rückkehr des dunklen Ritters" von Zeichner Frank Miller ("Sin City") wieder Einzug in die Comics fand.
"Batman Begins" ist ein hervorragend inszenierter Film, der auf sinnlose digitale Effekte verzichtet und sich stattdessen der menschlichen (düsteren) Seite des Mythos zuwendet.
MATTHIAS GREULING
© SN
|