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Cineastisch ausge-feiltes Filmerlebnis "2046" von Hongkong-Regisseur Wong Kar Wai mit Tony Leung und Zhang Ziyi.
Mit 2046 können erfahrene Cineasten - und nur sie werden überhaupt eine Essenz ziehen aus diesem Streifen - etwas anfangen. In Wong Kar Wais letztem Film, "In the Mood für Love", hat sich der Journalist Chow Mo Wan (Tony Leung) in ein Hotelzimmer mit dieser Nummer zurückgezogen, um Kung-Fu-Romane zu schreiben. Nun will er wieder dorthin zurück (schließlich erinnert ihn die Nummer an eine Liebesgeschichte). Es ist aber nur noch die Nummer 2047 zu haben. Auf 2046 hält jetzt die schöne Bai Ling (Zhang Ziyi) Hof. Sie ist Prostituierte, das ist der einzige Schönheitsfehler. Läuft die Handlung nun auf nachbarschaftliche Liebe hinaus? Erraten!
Aber es wäre nicht zielführend, einen roten Faden durch diesen 127-Minuten-Streifen ziehen zu wollen. Vergeblich ist wohl auch der Versuch, in ein paar Sätzen auch nur annähernd die Zeitsprünge dieser verqueren Liebesgeschichte vermitteln oder die wesentlichen Handlungsfäden aufdröseln zu wollen. "2046" ist Filmbild gewordene Poesie. Und diese sperrt sich nüchterner Beschreibung.
Nur so viel: Der Playboy Chow Mo Wan, ein Mann in den besten Jahren wohl, projiziert seine Vorstellungen von der idealen Liebe, seine Imagination von der idealen Frau von einer Geliebten auf die nächste. Und weiter auf die übernächste. Wiewohl aus Fleisch und Blut, bleiben sie alle für ihn "Traumfrauen". "2046" ist eine große Parabel über das Verfehlen des richtigen Zeitpunktes. Immer scheint Chow Mo Wan ein gutes Stück hinter der Gegenwart her. Während sein Leben also - wohin auch sonst? - in die Zukunft fortschreitet, treibt es ihn in seelischen Achterbahnschleifen durch vergangene Erlebnisse und mit sehr gegenwärtig bleibenden Gefühlsverirrungen.
Da lässt er schon mal auf abstoßende Weise den Macho raushängen - wahrscheinlich, ja: Sicherlich sogar meint er es ganz anders ...
Verquer ist also diese Utopie von "2046", sei's ein Zimmer, ein Ort oder eine Jahreszahl. Die Frauen wechseln, geraten auf eigentümliche Weise durcheinander, ähneln einander und behalten doch reizvolle Individualität. Das ist eine Stärke dieses Films, den man in Cannes im Vorjahr dafür lobte, er sei der schönste weit und breit.
Das liegt (auch) daran, dass die Hauptdarstellerinnen Li, Maggie Cheung und Zhang Ziyi die schönsten aus China sind. Die international angesehensten obendrein.
Und da sind eben auch die verführerisch schönen Bilder von Kameramann Christopher Doyle. Die Opulenz nostalgischer Schönheit scheint in kleine, streng "gebaute" Räume verpackt. Jeder Gewandfalte scheint die Sorgfalt sowohl des Regisseurs auf sich gezogen und den Kameramann zur feingliedrigen Wahrnehmung herausgefordert zu haben.
Sagenhaft schön auch das Styling der utopischen Ausflüge, denn gegen Ende scheinen ja irgendwelche Kunst-Wesen der Idealfrau dieses Hauptdarstellers noch am ehesten angemessen zu sein. Auch die Ästhetik fährt hier auf eigenwillig versponnene Weise Achterbahn.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
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