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Dani Levy konfrontiert in seiner amüsanten Komödie "Alles auf Zucker" zwei konträre Welten deutscher Gegenwart miteinander.
Jaeckie Zucker - wunderbar gespielt von Henry Hübchen- repräsentiert den Prototyp eines notorischen Spielers. Der einst in der DDR populäre Sportreporter sieht sich als typischen Wendeverlierer. In düsteren Spelunken versucht er, mit Zockereien jenes Geld hereinzubekommen, das er mit seinem "Ostalgie Club", einem bordellartigen Etablissement, verliert. Der Schuldenberg, den Zucker angehäuft hat, ist allerdings derart groß, dass der liebenswürdige Verlierer unmittelbar vor dem Antritt einer Haftstrafe steht.
Samuel Zuckermann, dessen Rolle Udo Samel verkörpert, gilt wiederum als erfolgreicher Frankfurter Geschäftsmann. Er hat im Westen Karriere und Geld gemacht, bis die Talfahrt der Aktien des "Neuen Markts" auch ihn in eine finanzielle Notlage manövrierte.
Das Schicksal führt die beiden verfeindeten Brüder, die seit dem Berliner Mauerbau keinen Kontakt mehr zueinander pflegten, wieder zusammen. Die kürzlich verstorbene Mutter hat nämlich testamentarisch verfügt, dass sie in Berlin begraben werden möchte und dass ihre Söhne nur dann ihr Vermögen erben, wenn sie sich nach siebentägiger gemeinsamer Trauer wieder versöhnen. Also taucht Samuel mit seiner jüdisch orthodoxen Verwandtschaft in Berlin auf.
Aus dem Gegensatz der beiden Familien schöpft Daniel Levys Streifen "Alles auf Zucker" seine Komik. Mit feinfühligem Geschick setzt der Filmemacher auf Klischees, ohne jedoch in diesen zu erstarren. Die orthodoxe Familie wird mit klassisch jüdischem Witz in feiner Selbstironie gezeichnet. Der Religiosität der Zuckermanns steht die bizarr "westliche" Familienkonstellation der Zuckers gegenüber: Die zerrüttete Ehe von Jaeckie und Marlene (Hannelore Elsner), Sohn Thomas (Steffen Groth) als stotternder Lederfetischist und die lesbische Tochter Jana (Anja Franke). Sie alle sollen sich eine Woche lang in jüdischen Traditionen und Bräuchen üben, um an das Erbe zu kommen.
Jaeckie, eigentlich Jakob Zuckermann, der von dem ganzen "jüdischen Club" nichts hält, setzt zum großen Doppelspiel an. Einerseits muss er sieben Tage lang in einem Raum mit seinem Bruder Samuel trauern - so sieht es nach jüdischem Gesetz die Schiva vor -, andererseits will er sich eine weitere große Chance nicht entgehen lassen. In Berlin findet nämlich just zur selben Zeit ein internationales Billardturnier statt. Und Jaeckie hat die Siegprämie von 100.000 Euro bereits fix verplant. Also simuliert er beim Begräbnis seiner Mutter einen Herzinfarkt und tanzt fortan auf zwei Hochzeiten.
Hauptdarsteller ist er sowohl im familiären "Trauerspiel" als auch am Billardtisch, wo er es bis ins Finale schafft: eine Gratwanderung mit Witz und Charme.
MICHAEL STADLER
© SN
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