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Woody Allens "Anything Else" ist mehr als eine wortgewaltige Screwball-Komödie: eine witzige Reflexion auf Amerika.
Es ist wie in den meisten Filmen von Woody Allen: Die Hauptfigur durchlebt im Laufe des Films ihre persönliche Apokalypse. Im Falle von Jerry Falk (Jason Biggs, er zeigt hier mehr Talent als in "American Pie") findet diese Apokalypse gleich auf mehreren Ebenen statt: Seine Karriere als Comedy-Autor will nicht in Fahrt kommen, was er nicht auf mangelndes Talent zurückführt, sondern auf seinen unfähigen, depressiven Agenten (Danny de Vito), dessen einziger Klient er ist.
Privat verzweifelt Jerry an seiner luderhaften, fresssüchtigen Freundin Amanda (Christina Ricci), die ihre sexuelle Fantasien nicht mit ihm auslebt, sondern mit einer Reihe anderer Männer. Noch dazu ist Amandas Mutter, eine versoffene, mäßig erfolgreiche Revue-Sängerin, bei ihm eingezogen.
Die Probleme schreien förmlich nach einer psychiatrischen Behandlung. Jerry, der Loser, findet sie in David Dobel (Woody Allen), der sich zu seinem väterlichen Freund entwickelt und als Comedy-Autor ebenfalls keinen Erfolg hat. In langen Gesprächen bei Spaziergängen durch den Central Park wälzen die beiden sympathischen Verlierer ihre Probleme und debattieren ihre Weltsicht.
Lange Zeit hat Woody Allen seine zerstreut-schusseligen Intellektuellen selbst dargestellt, in diesem Fall begnügt er sich ob seines Alters von bald 70 Jahren mit einer Nebenrolle. Doch mit Jason Biggs hat Allen ein würdiges Alter Ego gefunden. Im Vordergrund von "Anything Else" stehen die Dialoge, die mit der Intensität eines Hörspiels auf die Zuschauer niederprasseln. Der breitwandigen Kameraarbeit von Darius Khondji weist Allen hier nur eine Statistenrolle zu. Die Dialoge sind witzig, frisch und pointiert, sprühen vor Gags und erinnern an Allens Anfänge als Stand-up-Comedian. Wie immer überträgt Allen die persönlichen, kleinen Niederlagen auf universelle Zusammenhänge: Von den Tücken des Alltags, vom Zusammenleben der Menschen, vom Erfolgsdruck und der Angst vor dem Terror ist die Rede. Allen versteckt in seinem dialoglastigen Filmspaß nämlich auch Kritik an der US-Regierung und ihrer Botschaft von der "nationalen Sicherheit" nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Waffenbesitz und vermeintliche Sicherheit gehören zu den satirisch bearbeiteten Themen in "Anything Else".
Die Filme von Woody Allen werden nicht müde, vom Leben frustrierte, psychisch labile Personen in den Mittelpunkt zu rücken. Allen ist ein altmodischer Filmemacher, der sich gerne mit einer Portion Nostalgie an aktuelle Themen macht. Das Resultat ist im Fall von "Anything Else" eine kurzweilige, unterhaltsame Reflexion auf das Amerika von heute.
MATTHIAS GREULING
© SN
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