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"Villa Henriette" - ein österreichischer Familienfilm nach Christine Nöstlinger
Stellen Sie sich vor: Gerade haben Sie sich noch mal umgedreht im Bett, dösen müde vor sich hin - da meldet sich eine besserwisserische Stimme: "Wer seine Träume verwirklichen will, muss erst mal aufstehen!" Und diese Stimme ist die von Nina Hagen. Ein Albtraum? Nein, Normalfall für Marie, die in einer besonderen Villa lebt.
Baufällig ist sie, zugegeben. Aber sie hat etwas. Und das zwölfjährige Mädchen ist mit ihrer Villa so auf du und du, dass sie das alte Haus sprechen hört. The Voice of Nina Hagen!
Dass sich die Villa besserwisserisch zu Wort meldet, sei ihr verziehen. Schließlich ist sie zu Recht vergrämt: "Ich bin die Letzte, die etwas erfährt in diesem Haus!"
Zu erfahren gäbe es viel: Maries Großmutter, besessen von leicht fehlgeleitetem Erfindergeist, hat das Haus verspielt. Der Exekutionstermin steht fest. Es sieht ganz danach aus, dass das bunte Familien-Völkchen bald in einem Wiener Gemeindebau Quartier beziehen wird.
Es wäre nicht Christine Nöstlinger, würde nicht auch in "Villa Henriette" etwas mehr erzählt als bloß eine Geschichte. Die Story von der Rettung des alten Hauses dient als Folie, um hineinzublicken in die Welt, vor allem in die Gedankenwelt der Jugendlichen und der Erwachsenen. Typisch Nöstlinger eben.
Regisseur Peter Payer hat gut daran getan, in seinem Film sehr genau diese kleinen menschlichen Schwächen (und Stärken!) auszuleuchten. Einen Spleen haben sie ja alle: die Mutter, die dauernd irgendwohin fliegt. Der Freund der Mutter, der sich wissenschaftlich mit Mumien speziell und Überlebenskunst allgemein beschäftigt.
Ein herrlich unkomplizierter Familienfilm, witzig und pointiert, nie platt trotz Slapsticks sonder Zahl - und immer ein wenig hintersinnig. Wie die Villa zu ihrem hübschen Namen gekommen ist? Das hat zu tun mit einer von "Henriette" verlorenen Wette.
REINHARD KRIECHBAUM
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